++ 6.7.26: Dr. Orfanos-Boeckel zum Thema Prävention ab 40 ++
Haut- und Haarveränderungen als Symptom der Wechseljahre
Symptome · Haut & Haare

Haut- und Haarveränderungen in den Wechseljahren
Ursachen, Mechanismen & was wirklich hilft

Östrogen schützt Haut und Haare auf vielfältige Weise: Es fördert die Kollagenproduktion, hält Feuchtigkeit in der Haut, schützt Haarfollikel vor Androgenen und unterstützt die Wundheilung. Wenn der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, werden diese Schutzfunktionen schwächer. Viele Frauen bemerken plötzlich trockenere Haut, mehr Falten, Haarausfall oder auch Akne. Diese Veränderungen sind gut erklärbar und oft gut behandelbar.

SA
Dr. Saskia Appelhoff
· Aktualisiert Juni 2026· 9 Minuten Lesezeit

Zusammenfassung

Östrogen stimuliert die Kollagenproduktion, hält Haut feucht und schützt Haarfollikel vor Androgenen. Sein Abfall in der Menopause beschleunigt den Hautalterungsprozess und kann Haarausfall begünstigen. Gute Hautpflege und gezielte Behandlung können beides deutlich verlangsamen.

Auf einen Blick

Haut
30 % Kollagenverlust in den ersten 5 Jahren nach der Menopause
Haare
Bis zu 40 % der Frauen bemerken Haarveränderungen in der Perimenopause
Erste Schritte
Ferritin, TSH, Vitamin D prüfen. SPF täglich. Retinol abends.
HRT-Wirkung
Verbessert Hautfeuchtigkeit, Kollagengehalt und Haardichte nachweislich

Was passiert durch die hormonelle Umstellung?

Östrogen wirkt direkt auf Haut und Haare, weil beide Gewebe Östrogenrezeptoren tragen. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, reagieren Haut und Haare entsprechend: Die Kollagenproduktion nimmt ab, die Haut verliert Feuchtigkeit und Elastizität, und die Wachstumsphase der Haare verkürzt sich.

  • Östrogen fördert die Kollagenproduktion und ist für die Spannung und Elastizität der Haut zuständig.
  • Östrogen hilft der Haut, Feuchtigkeit zu speichern durch die Produktion von Hyaluronsäure und anderen Feuchtigkeitsfaktoren.
  • Östrogen erhält die Haarfollikel aktiv und unterstützt das Haarwachstum.

Mit dem Abfall des Östrogenspiegels verringern sich viele dieser schützenden Funktionen. Das kann sowohl die äußerlichen Erscheinungsformen als auch die Beschaffenheit von Haut und Haaren beeinflussen. In Folgendem werden wir uns die häufigsten Veränderungen ansehen, die in der Wechseljahrephase auftreten können.

Der Rückgang des Östrogenspiegels führt dazu, dass weniger Östrogen an die Rezeptoren in Haut und Haarfollikeln bindet. Das ist die eigentliche Ursache der sichtbaren Veränderungen: nicht eine aktive „Verdrängung", sondern schlicht ein Mangel. Die Haut reagiert empfindlicher auf äußere Einflüsse wie Sonne und Kälte, und die Barrierefunktion nimmt ab.

1. Verlust von Feuchtigkeit und Spannung: Wenn die Haut durstig wird

Östrogen hilft der Haut dabei, Feuchtigkeit zu binden. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, kann die Haut bis zu 30 % ihres Kollagens verlieren – ein zentrales Strukturprotein der Haut. Dadurch wird die Haut trockener, dünner und weniger elastisch.

Neben der hormonellen Veränderung spielen auch Genetik, Lebenswandel und Umweltfaktoren eine Rolle. Auch Rauchen und Schlaf sind wichtig.

Das hilft:

  • Feuchtigkeitsspendende PflegeprodukteCeramide, Hyaluronsäure und Glycerin unterstützen die Hautbarriere und binden Feuchtigkeit. Morgens nach der Reinigung auftragen.
  • Ausreichend Wasser trinken (mindestens 2 Liter/Tag)Hydration von innen ist ein Grundpfeiler der Hautgesundheit. Kräutertees und wasserreiches Gemüse ergänzen die Flüssigkeitszufuhr.
  • Keine aggressiven Reinigungsprodukte verwendenSeifen und aggressive Reiniger entziehen der Haut Feuchtigkeit. Sanfte, pH-neutrale Reiniger bevorzugen.
  • Ausgewogene Ernährung für die HautgesundheitEine Ernährung reich an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien, insbesondere Vitamin C und E sowie Zink kann die Hautgesundheit unterstützen.
  • Rauchen und Alkohol so gut wie möglich vermeidenBeide beschleunigen die Hautalterung, fördern Entzündungen und beeinträchtigen die Kollagenproduktion.

2. Hormonell bedingte Akne: Unreinheiten trotz Erwachsenenalter

In der Perimenopause sinkt Östrogen, während der relative Androgenanteil (männliche Hormone wie Testosteron) höher bleibt. Diese hormonelle Verschiebung regt die Talgdrüsen an, und das Ergebnis können Unreinheiten und Akne sein, auch bei Frauen, die in der Jugend keine Hautprobleme hatten.

Hormonell bedingte Akne tritt häufig an Kinn und Wangenknochen auf. Sie kann zyklisch schwanken oder dauerhaft sein.

Das hilft:

  • Hormonreseptorbasierte Mittel (z. B. 1 % Nicotinamid-Creme) können unterstützen
  • Ausgewogene Ernährung (weniger Zucker, weniger Milchprodukte) und Stressmanagement
  • Auslöser von Stress, Schlaflosigkeit, alkohol und Rauchen möglichst vermeiden

3. Rosazea: Wenn Rötungen zum Dauerzustand werden

Rosazea ist eine chronische Hauterkrankung, die häufig mit rötlichen Flecken, sichtbaren Äderchen und einem Brennen oder Stechen im Gesicht einhergeht. Sie tritt bevorzugt bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren auf und kann in der Menopause erstmals erscheinen oder sich verschlimmern.

Der genaue Zusammenhang mit Östrogen ist nicht vollständig geklärt, aber die hormonellen Veränderungen in der Perimenopause können die Durchblutungsregulation der Haut beeinflussen. Faktoren, die Rosazea auslösen oder verschlimmern:

  • Auslöser meiden: Alkohol, Koffein, scharfes Essen und UV-Strahlung können Rosazea-Schübe auslösen. Ein Auslöser-Tagebuch hilft, persönliche Trigger zu identifizieren.
  • Sanfte Hautpflege: Milde, duftstofffreie Produkte bevorzugen. Keine alkoholhaltigen Toner oder abrasive Peelings.
  • Sonnenschutz täglich: SPF 30+ ist bei Rosazea besonders wichtig, da UV-Strahlung ein häufiger Triggerfaktor ist. Mineralische Lichtschutzfilter (Zinkoxid, Titanioxid) sind bei sensibler Haut besser verträglich.
  • Dermatologische Behandlung: Topische Metronidazol-Cremes oder Azelainsäure helfen bei leichter bis mittlerer Rosazea. Bei schwereren Verläufen kommen orale Antibiotika oder Laserbehandlungen in Frage.

4. UV-Strahlen-Sensibilität: Wenn die Sonne zur Herausforderung wird

Mit zunehmendem Alter reagiert die Haut empfindlicher auf UV-Strahlung. Östrogen hatte einen gewissen Schutzeffekt auf die Haut; sein Abfall in der Menopause macht die Haut anfälliger für Sonnenschäden, Hyperpigmentierung (Altersflecken) und Sonnenbrand.

Das hilft:

  • Täglich Sonnenschutz (SPF 30–50+) auftragen, auch an bewölkten Tagen und auch im Winter.
  • Produkte mit ausreichend Lichtschutzfaktor (z. B. physikalischer Lichtschutzfaktor) bevorzugen und auf Haut- und Haargesundheit achten.
  • Mittagssonne (11–15 Uhr) meiden und bei längerem Aufenthalt im Freien Hut und schützende Kleidung tragen.
  • Bestehende Hyperpigmentierung kann durch topische Produkte mit Vitamin C, Niacinamid oder (rezeptpflichtige) Tretinoin-Cremes aufgehellt werden.

5. Haarverlust bzw. Ausdünnung der Haare

Der Haarverlust in der Wechseljahrephase ist häufig eines der Themen, das Frauen am meisten beschäftigt. Östrogen hat einen positiven Einfluss auf das Haarwachstum und verlängert die Wachstumsphase des Haares (Anagen-Phase). Ein sinkender Östrogenspiegel, zusammen mit dem relativen Übergewicht an Androgenen, kann das Haarwachstum beeinflussen.

Das hilft:

  • Östrogen hat eine haarwachstumsfördernde Wirkung: Es verlängert die Wachstumsphase der Haare (Anagenphase). Wenn Östrogen sinkt, verkürzt sich die Wachstumsphase und mehr Haare wechseln in die Ruhephase. Das Ergebnis ist ein diffuses Ausdünnen.
  • Eisenmangel in den Wechseljahren oft bedingt durch stärkere Regelblutungen, kann den Haarverlust begünstigen. Ferritin als Eisenspeicher messen lassen; Zielwert für Haare: über 70 ng/ml.
  • Schlechter Schlaf durch Hitzewallungen und Schlafstörungen kann den Haarverlust verstärken. Schlafen ist wichtig für die Zellregeneration.
  • Schilddrüsendysfunktion: Eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse kann Haarausfall verursachen oder verstärken und tritt in der Perimenopause gehäuft auf. TSH-Wert prüfen lassen.
Dr. med. Yael Adler, Dermatologin & Bestsellerautorin
Interview
Das Thema Haarausfall ist für viele Frauen ein sehr schwerwiegendes, stigmatisierendes Thema. Umso wichtiger ist es hier, alle Register zu ziehen, denn Zeit ist Haar, und da spielen die Hormone eine wichtige Rolle."
Dr. med. Yael Adler, Dermatologin & Bestsellerautorin · Haut, Haare & Ernährung
Zum Interview →

6. Veränderung der Haarstruktur

Viele Frauen bemerken, dass sich nicht nur die Haarmenge verändert, sondern auch die Struktur. Haare, die früher glatt waren, können plötzlich wellig oder lockiger werden – oder umgekehrt. Auch die Textur kann sich ändern: Haare fühlen sich trockener, poröser oder brüchiger an.

Diese Veränderungen sind hormonell bedingt und haben mit der veränderten Keratinproduktion zu tun. Östrogen beeinflusst die Keratinstruktur im Haar.

Das hilft:

  • Schonende Haarpflege: Sulfatfreie Shampoos und feuchtigkeitsreiche Conditioner unterstützen brüchiges Haar. Hitzetools (Föhn, Glätteisen) sparsam einsetzen.
  • Proteinreiche Haarpflege (z. B. Keratin-Behandlungen) kann die Haarstruktur vorübergehend stärken.
  • Ölbehandlungen mit Arganöl oder Kokosöl nähren das Haar und reduzieren Spliss.

7. Vermehrte Gesichtsbehaarung

Während viele Frauen mit Haarverlust am Kopf kämpfen, bemerken sie gleichzeitig eine Zunahme von Körperbehaarung im Gesicht, besonders an Kinn und Oberlippe. Das ist kein Widerspruch: Beide Phänomene entstehen durch denselben Mechanismus.

Wenn Östrogen sinkt, bleibt der relative Androgenanteil höher. Androgene stimulieren die Haarfollikel im Gesicht und können feines Flaum-Haar in dunkleres, dickeres Terminalhaar umwandeln. Gleichzeitig schrumpfen Haarfollikel am Kopf unter demselben Androgeneinfluss (Dihydrotestosteron, DHT).

Möglichkeiten zur Behandlung:

  • Epilieren, Waxing oder Fadenepilation als sofortige mechanische Methoden
  • IPL oder Laser-Haarentfernung für dauerhaftere Ergebnisse bei dunkleren Haaren
  • HRT mit antiandrogen wirksamen Gestagenen kann langfristig den relativen Androgenüberschuss reduzieren

Hormontherapie: direkter Einfluss auf Haut und Haare

Systemische HRT verbessert die Hautfeuchtigkeit, den Kollagengehalt und die Hautelastizität messbar. Studien zeigen, dass Frauen mit HRT eine höhere Kollagendichte in der Haut haben als gleichaltrige Frauen ohne Hormontherapie.

Für Haare gilt: HRT kann helfen, wenn der Haarausfall östrogenmangel-bedingt ist. Die Gestagenwahl ist entscheidend. Mikronisiertes Progesteron (Utrogest) und Dydrogesteron (Femoston) haben kaum androgene Wirkung und sind für Frauen mit Haarausfall-Sorgen besser geeignet als Gestagene mit androgenem Effekt wie Levonorgestrel. Bei Gesichtsbehaarung und Akne können antiandrogen wirksame Gestagene wie Chlormadinonacetat oder Dienogest die Androgeneffekte dämpfen.

Mehr zur Hormontherapie – Nutzen & Risiken →

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Quellen & Studien

  1. 1.Biology of estrogens in skin: implications for skin agingVerdier-Sévrain S, Bonté F, Gilchrest B. Experimental Dermatology, 2006
  2. 2.Hormone replacement therapy and the skinBrincat MP. Maturitas, 2000
  3. 3.New insights into rosacea pathophysiology: a review of recent findingsSteinhoff M et al.. Journal of the American Academy of Dermatology, 2013
  4. 4.Female pattern hair loss: current treatment conceptsDinh QQ, Sinclair R. Clinical Interventions in Aging, 2007
  5. 5.Pharmacologic interventions in aging hairTrüeb RM. Clinical Interventions in Aging, 2006