Zusammenfassung
Die Wechseljahre bringen körperliche und mentale Veränderungen mit sich, die tiefgreifende Auswirkungen auf Partnerschaft und sexuelle Intimität haben können. Vieles davon lässt sich als Herausforderung sehen, die es zu bewältigen gilt. Diese Zeit bietet aber auch die Chance, als Paar bewusst etwas Positives zu verändern, wenn beide Partner wissen, was auf sie zukommt.
Auf einen Blick
- Scheidungsalter
- Frauen trennen sich am häufigsten zwischen 40 und 60
- Wissenslücke bei Männern
- Nur 26 % ordnen die Symptome den Wechseljahren zu
- Männer, die sich mitbetroffen fühlen
- 77 % laut einer US-Studie
- Positiver Einfluss möglich
- Jeder zehnte Mann berichtet von positiven Effekten
Risiko und Chance zugleich
Oft verstehen nicht einmal die Frauen selbst vollständig, was mit ihnen passiert, für Partner:innen ist es entsprechend noch schwieriger, Veränderungen richtig einzuordnen. Eine britische Auswertung zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen Wechseljahren und Scheidungen: Rund drei Viertel der befragten Frauen gaben im Nachhinein den Wechseljahren eine Mitschuld an der gescheiterten Beziehung, Frauen lassen sich am häufigsten zwischen 40 und 60 Jahren scheiden. Ob die Beschwerden selbst ursächlich waren oder eher der Anstoß für ohnehin fällige Veränderungen, bleibt dabei oft offen.
Der Zusammenhang wirkt auch andersherum: Eine Studie zeigt, dass Frauen in weniger glücklichen Beziehungen, mit weniger Unterstützung und mehr Konflikten, über mehr Stress und mehr Wechseljahresbeschwerden berichteten als Frauen in glücklichen Beziehungen. Die Qualität der Partnerschaft und das Erleben der Wechseljahre beeinflussen sich also gegenseitig.
Bei Männern ist die Wissenslücke noch größer als bei Frauen selbst: In einer US-Studie glaubte rund die Hälfte der Männer, deren Partnerin in den Wechseljahren war, dass diese unter wiederkehrenden Symptomen wie Schlafproblemen, Erschöpfung, Libidoverlust oder Stimmungsschwankungen leidet, nur 26 % ordneten das aber den Wechseljahren zu. Stattdessen vermuteten sie allgemeines Altern, beruflichen Stress oder andere medizinische Ursachen, ein Viertel konnte sich die Symptome gar nicht erklären. Dieselbe Studie zeigte auch, dass 77 % der Männer das Gefühl hatten, selbst unter den Wechseljahren ihrer Partnerin zu leiden, und 56 % gaben an, dass die Beziehung darunter leidet. Immerhin jeder zehnte Mann berichtete auch von einem positiven Einfluss auf sich, seine Partnerin und die Beziehung.
Körperliche Veränderungen und ihre Auswirkungen
Zu den Symptomen, die sexuelles Verlangen und Zufriedenheit beeinträchtigen können, gehören Hitzewallungen und Nachtschweiß, Erschöpfung durch Schlafstörungen, vaginale Trockenheit, häufigere Blasenentzündungen, Menstruationsveränderungen und eine veränderte Libido. Hinzu kommt oft eine Gewichtszunahme, die Frust und Scham auslösen kann, was sich wiederum auf das sexuelle Selbstbewusstsein auswirkt. Bei einer britischen Befragung gab die Hälfte der Frauen an, zu befürchten, dass fehlender Sex zu einer Trennung führen könnte.
Scheidentrockenheit und eine erhöhte Anfälligkeit für Blasenentzündungen sind dabei keine vorübergehenden Probleme, sie begleiten Frauen ab den Wechseljahren bis zum Lebensende und sollten, je nach Intensität, behandelt werden. Sexuelle Unzufriedenheit muss sich aber nicht zwangsläufig einstellen: Laut einer Studie steht sexuelle Zufriedenheit auch in den Wechseljahren in einem positiven Zusammenhang mit der allgemeinen Beziehungszufriedenheit. Manche Frauen erleben durch einen relativen Testosteronüberschuss vorübergehend sogar eine besonders ausgeprägte Libido und trauen sich erstmals, eigene sexuelle Wünsche offen zu äußern.
Wie stark ein Libidoverlust als Belastung erlebt wird, ist auch kulturell geprägt: Eine Studienübersicht zu Frauen chinesischer Herkunft zeigt, dass viele den Rückgang der Libido eher als natürlichen Teil des Alterns hinnehmen, statt ihn als Problem für die Partnerschaft zu werten. Eine qualitative Studie mit taiwanesischen Frauen kommt dagegen zu einem anderen Bild: Viele der befragten Frauen taten sich schwer, ihre veränderte sexuelle Identität zu akzeptieren, was zusätzlichen Stress und Druck in der Partnerschaft auslöste. Der kulturelle Umgang mit dem Thema unterscheidet sich also spürbar, auch innerhalb asiatischer Länder.
In die gemeinsame Sexualität spielt ab einem gewissen Alter auch die Andropause des Mannes hinein: ein kontinuierlicher Rückgang des Testosteronspiegels, der zwar langsamer verläuft als die Wechseljahre der Frau, sich aber ebenfalls durch Libidoverlust oder erektile Dysfunktion bemerkbar machen kann, meist ab Mitte 50. Auch das gehört auf den Tisch, wenn ein Paar über Veränderungen der gemeinsamen Sexualität spricht.
Emotionale und psychologische Aspekte
Neben den körperlichen Veränderungen bringen die Wechseljahre auch emotionale Herausforderungen mit sich, die die engsten Beziehungen betreffen. Frauen stellen plötzlich Dinge infrage, priorisieren neu und legen mehr Fokus auf Selbstfürsorge, was Partner:innen direkt betrifft und überraschend oder gar beängstigend wirken kann, wenn der Grund dafür nicht klar ist.
Externe Veränderungen, die zeitlich mit den Wechseljahren zusammenfallen, etwa pubertierende oder ausziehende Kinder, pflegebedürftige Eltern oder eigene berufliche Umbrüche, erschweren es zusätzlich, den Einfluss der Wechseljahre von anderen Lebensereignissen zu trennen. Depressive Verstimmungen werden dann leicht auf externe Ursachen wie das „Empty Nest"-Syndrom geschoben, obwohl sie eigentlich mehr mit den hormonellen Veränderungen der Frau zu tun haben. Es lohnt sich, den Symptomen wirklich auf den Grund zu gehen, damit man als Paar nicht über die falschen Dinge redet. Mehr zu den mentalen Veränderungen selbst und einem Erholungs-Toolkit findest du in unserem Artikel zu Mentale Gesundheit & Erholung.
Strategien für eine starke Partnerschaft
Wissen und Bewusstsein auf beiden Seiten: Nur wer selbst verstanden hat, was mit einem passiert, kann die eigene Situation dem Partner oder der Partnerin gut schildern. Für Männer reicht oft schon ein grobes Verständnis, damit sie Veränderungen richtig einordnen und ihre Partnerin selbstbewusst unterstützen können, mehr Wissen gilt vielen Männern selbst als das beste Mittel gegen die eigene Unwissenheit. In einer Befragung gaben immerhin 10 % der Männer an, sogar selbst online nach Informationen zu den Wechseljahren gesucht zu haben.
Offene Kommunikation: Themen wie Scheidentrockenheit oder Libidoverlust sind vielen Frauen unangenehm, Schweigen führt aber oft zu falschen Schlussfolgerungen des Partners, etwa der Annahme, nicht mehr attraktiv zu sein. Ein offenes Gespräch über Gefühle, Ängste und Bedürfnisse beugt Missverständnissen vor. Bei den meisten Paaren, die bereits über die Wechseljahre gesprochen haben, hat übrigens die Partnerin das Gespräch begonnen, für Männer kann es sich also lohnen, selbst aktiver auf das Thema zuzugehen. Manche Männer beschreiben anderen Männern gegenüber die Wechseljahre ihrer Partnerin vor allem als geprägt von „irrationalen" und „emotionalen" Stimmungen, ein Wissen um die hormonellen Hintergründe hilft, die Partnerin dabei nicht für „verrückt" zu halten.
Gemeinsam Lösungsansätze finden: Gleitmittel gegen vaginale Trockenheit, angepasste sexuelle Aktivitäten, eine neu verteilte Aufgabenteilung oder gemeinsame neue Schlaf- und Essroutinen lassen sich als Paar leichter umsetzen und durchhalten. Auch die Option einer Hormonersatztherapie lässt sich gemeinsam abwägen, mehr dazu in unserem Artikel zur Hormonersatztherapie. Wenn ihr das Gefühl habt, allein nicht mehr weiterzukommen, kann auch eine Paar- oder Sexualtherapie ein sinnvoller nächster Schritt sein.
Unterstützung und Geduld: Die Wechseljahre sind eine Übergangszeit mit einem ständigen Auf und Ab, es kann dauern, bis sich beide Partner an die Veränderungen angepasst haben. Zu verstehen, dass Stimmungsschwankungen hormonell bedingt sind, hilft, sie nicht persönlich zu nehmen.
Fokus auf die Chancen: Viele Paare berichten, dass sie durch die gemeinsame Bewältigung dieser Phase enger zusammengewachsen sind. Die Wechseljahre können auch ein Neuanfang sein, in dem Paare neue Wege finden, Intimität und gemeinsame Prioritäten neu zu gestalten.
Häufig gestellte Fragen
Gemeinsam gut informiert
Je besser ihr als Paar versteht, was in den Wechseljahren passiert, desto leichter lassen sich Veränderungen gemeinsam meistern.
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- 1.Menopause: a precursor for divorce – SHL Solicitors. 2022
- 2.Marriage, Stress and Menopause: Midlife Challenges and Joys – Fielder, Katherine Vaughn; Kurpius, S.. 2014
- 3.The MATE survey: men's perceptions and attitudes towards menopause and their role in partners' menopausal transition – Parish, Sharon J.; Faubion, Stephanie S.; Weinberg, Marc et al.. National Library of Medicine, 2019
- 4.Women on Fire: Alles über die fabelhaften Wechseljahre – De Liz, Sheila. 24. Auflage, Rowohlt Verlag, 2024
- 5.Menopausal experiences of women of Chinese ethnicity: A meta-ethnography – Kabir, Md Ruhul; Chan, Kara. PLOS ONE, 2023
- 6.Sex life and role identity in Taiwanese women during menopause: a qualitative study – Yang, Cheng-Fang; Kenney, Nancy J.; Chang, Ting-Chen; Chang, Shiow-Ru. PubMed, 2016
- 7.Midlife menopause: male partners talking – Liao, Lu-Yu; Lunn, Sarah; Baker, Margaret. Semantic Scholar, 2015
