Zusammenfassung
Trockene Augen, ein schwankendes Sehgefühl und ein trockener Mund gehören zu den weniger bekannten Beschwerden der Wechseljahre. Hinter allen dreien steht derselbe Mechanismus: Östrogen und Androgene halten Tränenfilm und Schleimhäute feucht und geschmeidig. Wenn diese Hormone sinken und schwanken, werden die Augenoberfläche und die Schleimhäute trockener. Schon kleine Routinen entlasten Augen und Mund spürbar, anhaltende Beschwerden gehören augenärztlich oder zahnärztlich abgeklärt.
Auf einen Blick
- Was passiert?
- Der Hormonabfall macht Tränenfilm und Schleimhäute instabiler und trockener
- Typische Zeichen
- Brennen, Sandkorngefühl, müde Augen, zeitweise verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit
- Oft zusätzlich
- Trockener Mund und allgemeine Schleimhauttrockenheit (Sicca-Symptomatik)
- Abklären bei
- Plötzlichen oder anhaltenden Sehveränderungen, Schmerzen, starker Rötung, dauerhaft trockenem Mund
Warum Augen und Schleimhäute in den Wechseljahren trockener werden
Der Tränenfilm ist kein einfaches Wasser, sondern ein fein abgestimmtes Gemisch aus einer wässrigen, einer fettigen und einer schleimigen Schicht. Diese drei Schichten halten die Augenoberfläche glatt, geschützt und klar. Östrogen und Androgene steuern mit, wie gut die beteiligten Drüsen arbeiten, vor allem die Tränendrüse und die Liddrüsen, die den schützenden Fettanteil liefern.
In der Perimenopause sinkt der Hormonspiegel nicht gleichmäßig, sondern schwankt oft stark. Dadurch wird der Tränenfilm instabiler und verdunstet schneller. Die Augenoberfläche ist dann nicht mehr durchgehend gleichmäßig benetzt. So entstehen das typische Brennen, ein Sandkorngefühl und ein Sehen, das zwischendurch verschwimmt und nach dem Blinzeln kurz wieder klarer wird.
Das gleiche Prinzip betrifft auch andere Schleimhäute. Wer trockene Augen bemerkt, kennt häufig auch Scheidentrockenheit oder einen trockeneren Mund. Hinter all dem steht derselbe hormonelle Grund.
Wie sich Augenbeschwerden und Sehstörungen zeigen können
Die Beschwerden fühlen sich bei jeder Frau etwas anders an. Häufig berichtet werden:
- brennende, juckende oder müde Augen, oft schlimmer am Abend
- ein Sandkorn- oder Fremdkörpergefühl im Auge
- zeitweise verschwommenes oder schwankendes Sehen, das sich nach dem Blinzeln kurz bessert
- paradoxerweise tränende Augen, weil das trockene Auge vermehrt Reiztränen bildet
- erhöhte Lichtempfindlichkeit und Probleme am Bildschirm
Oft schwanken die Beschwerden im Tagesverlauf und nehmen bei trockener Heizungsluft, langer Bildschirmarbeit oder wenig Schlaf zu. Wichtig: Eine plötzliche oder anhaltende Veränderung des Sehens gehört immer augenärztlich abgeklärt, um andere Ursachen auszuschließen.
Trockener Mund und allgemeine Schleimhauttrockenheit
Nicht nur die Augen reagieren auf den Östrogenabfall. Die Schleimhäute im ganzen Körper werden empfindlicher und trockener. Viele Frauen bemerken deshalb neben den Augen auch einen trockenen Mund. Fachlich fasst man trockene Augen und einen trockenen Mund als Sicca-Symptomatik zusammen, also als Trockenheit der absondernden Schleimhäute.
Ein trockener Mund kann sich so zeigen:
- ein pelziges, klebriges Gefühl im Mund, vor allem morgens
- häufiger Durst und das Bedürfnis, oft zu trinken
- ein verändertes Geschmacksempfinden
- empfindliches Zahnfleisch oder ein brennendes Gefühl
Weniger Speichel bedeutet auch weniger natürlichen Schutz für die Zähne. Hält die Mundtrockenheit an, ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll. Wenn dazu auch ein Brennen im Mund kommt, liest du mehr beim Burning-Mouth-Syndrom.
Was bei trockenen Augen und trockenem Mund wirklich hilft
Die folgenden Maßnahmen entlasten Augen und Schleimhäute im Alltag spürbar, ersetzen aber bei stärkeren Beschwerden nicht die fachärztliche Abklärung.
- ✓Bewusst blinzeln und Bildschirmpausen einlegen – Am Bildschirm blinzeln wir seltener, dadurch trocknet das Auge schneller aus. Regelmäßige Pausen und bewusstes Blinzeln helfen, den Tränenfilm zu erneuern.
- ✓Befeuchtende Augentropfen – Künstliche Tränen aus der Apotheke benetzen die Augenoberfläche. Welche Tropfen für dich passen, klärst du am besten mit deiner Augenärztin oder deinem Augenarzt.
- ✓Auf gutes Raumklima achten – Trockene Heizungs- und Klimaluft verstärkt die Beschwerden. Lüften und eine höhere Luftfeuchtigkeit entlasten Augen und Schleimhäute.
- ✓Ausreichend trinken – Genug Flüssigkeit unterstützt die Speichel- und Tränenbildung. Über den Tag verteilt regelmäßig zu trinken hilft gegen Mund- und Augentrockenheit.
- ✓Augen- und Zahngesundheit abklären lassen – Anhaltende Augenbeschwerden gehören augenärztlich abgeklärt, dauerhafte Mundtrockenheit zahnärztlich, auch um die Zähne zu schützen.
Hormontherapie (HRT) bei trockenen Augen und Schleimhäuten
Weil Augen und Schleimhäute auf den Östrogenabfall reagieren, fragen viele Frauen, ob eine Hormontherapie helfen kann. Da die Beschwerden hormonell mitbedingt sind, bessern sich Augen- und Schleimhautsymptome bei manchen Frauen unter einer Hormontherapie, besonders wenn gleichzeitig andere Wechseljahresbeschwerden bestehen. Die Studienlage ist hier allerdings uneinheitlich, und eine Hormontherapie wird nicht allein wegen trockener Augen begonnen.
Ob eine Hormontherapie für dich infrage kommt, hängt von deiner gesamten Situation ab und gehört in ein persönliches Gespräch. Was sinnvoll ist, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bei den Augen zusätzlich mit deiner Augenärztin oder deinem Augenarzt.
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- 1.Hormones and dry eye disease – Gorimanipalli B et al.. Indian Journal of Ophthalmology, 2023
- 2.Dry Eye Syndrome in Menopause and Perimenopausal Age Group – Peck T et al.. Journal of Mid-life Health, 2017
- 3.Menopause and dry eye. A possible relationship – Versura P, Campos EC. Gynecological Endocrinology, 2005
- 4.Sex steroids in Sjögren's syndrome – Konttinen YT et al.. Journal of Autoimmunity, 2012

