Zusammenfassung
Das Burning Mouth Syndrom (BMS) betrifft postmenopausale Frauen etwa sieben Mal häufiger als gleichaltrige Männer. Das Brennen ist real und belastend, auch wenn äußerlich nichts zu sehen ist. Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose. Es gibt wirksame Behandlungsansätze, und du musst damit nicht allein klarkommen.
Auf einen Blick
- Wie häufig?
- Ca. 1–5 % der Bevölkerung; postmenopausale Frauen sieben Mal häufiger betroffen als Männer
- Mechanismus
- Veränderte Schmerzverarbeitung und Schleimhautveränderungen durch Östrogenmangel
- Diagnose
- Ausschlussdiagnose: Infektionen, Nährstoffmängel und Medikamenteneffekte zuerst ausschließen
- Wirksamste Behandlung
- Alpha-Liponsäure, topisches Clonazepam, Nährstoffausgleich, Stressmanagement
Was ist das Burning Mouth Syndrom?
BMS ist ein chronisches Schmerzsyndrom mit brennendem oder kribbelnd-stechendem Empfinden im Mundraum ohne erkennbare organische Ursache. Das macht es zu einer Ausschlussdiagnose. Betroffene beschreiben typischerweise:
- Brennen auf der Zungenspitze, den Zungenrändern oder am Gaumen
- Mundtrockenheit trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr
- Veränderte Geschmackswahrnehmung: bitter, metallisch oder unangenehm
- Beschwerden, die tagsüber zunehmen und abends am stärksten sind
- Keine sichtbaren Veränderungen der Schleimhaut
Wichtig: Wenn sichtbare Veränderungen der Mundschleimhaut vorhanden sind, Schluckbeschwerden bestehen oder das Brennen nur einseitig auftritt, muss eine andere Ursache ausgeschlossen werden.
Warum tritt BMS in den Wechseljahren häufiger auf?
Der Zusammenhang zwischen Wechseljahren und BMS ist gut dokumentiert, die genauen Mechanismen werden noch erforscht. Folgende Faktoren spielen eine Rolle:
- Veränderte Schmerzverarbeitung: Östrogen moduliert Schmerzsignale im zentralen Nervensystem. Bei sinkendem Spiegel kann die Schmerzschwelle im Mundbereich absinken.
- Schleimhautveränderungen: Östrogen hält Schleimhäute feucht und elastisch. Sein Abfall macht die Mundschleimhaut dünner und empfindlicher.
- Verminderte Speichelproduktion: Speichel puffert Säuren, schützt vor Bakterien und hält die Mundschleimhaut feucht. Weniger Speichel verstärkt das Brennen.
- Stress und psychische Belastung: Die Perimenopause ist oft eine psychisch belastende Phase. Angst, Schlafmangel und Stress können BMS auslösen oder verstärken.
Symptome und Verlauf
BMS verläuft individuell sehr unterschiedlich. Drei Typen werden unterschieden:
- ✓Typ 1: Tagesverlauf aufsteigend – Morgens kaum Beschwerden, die im Tagesverlauf zunehmen und abends am stärksten sind. Häufigste Form, oft mit organischer oder nährstoffbedingter Ursache.
- ✓Typ 2: Ganztägig konstant – Brennen ist den ganzen Tag über konstant vorhanden, ohne klaren Tagesrhythmus. Häufig bei psychologischer Komponente oder chronischen Stresszuständen.
- ✓Typ 3: Intermittierend – Brennen tritt episodenhaft auf, mit beschwerdefreien Phasen dazwischen. Mögliche Verbindung zu bestimmten Nahrungsmitteln, Stress oder hormonellen Schwankungen.
Ursachen: ein Zusammenspiel vieler Faktoren
Da BMS eine Ausschlussdiagnose ist, müssen diese möglichen Ursachen abgeklärt werden:
- ✓Nährstoffmängel – Vitamin B12, Folsäure, Zink und Eisen: alle vier können Brennen im Mund verursachen. Bluttest beim Hausarzt oder der Gynäkologin.
- ✓Pilzinfektionen (Candidiasis) – Orale Candida-Infektionen können Brennen verursachen, auch ohne sichtbare weiße Beläge. Zahnärztliche oder HNO-ärztliche Untersuchung.
- ✓Autoimmunerkrankungen – Sjögren-Syndrom (mit Mundtrockenheit als Leitsymptom) tritt in der Perimenopause häufiger auf und kann BMS-Symptome verursachen.
- ✓Medikamentennebenwirkungen – ACE-Hemmer (Blutdruckmedikamente) können Mundtrockenheit und Brennen verursachen. Eine Medikamentenumstellung kann das Symptom auflösen.
- ✓Kontaktallergien – Allergien auf Zahnprothesenmaterialien, Füllmaterialien oder Mundhygieneprodukte können lokales Brennen auslösen.

„Burning Mouth gibt es grundsätzlich auch vor den Wechseljahren. In den Wechseljahren kann es sich aber verstärken."
Was hilft gegen Zungenbrennen und Burning Mouth Syndrom?
Ehrlich vorweg: Für das Burning Mouth Syndrom gibt es keine Behandlung mit starker Evidenz. Die Cochrane-Übersicht von 2016 (23 Studien, 1.121 Betroffene, 83 % Frauen) bewertet die Qualität der Belege für alle Ansätze als sehr niedrig. Das heißt nicht, dass nichts hilft, sondern dass du ausprobieren musst, was bei dir wirkt, am besten mit einer Zahnärztin oder Ärztin, die BMS kennt. Die Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat:
- ✓1. Behandelbare Ursachen zuerst ausschließen – Vitamin B12, Folsäure, Eisen und Zink im Blut prüfen, Pilzabstrich, Medikamentenliste durchgehen (ACE-Hemmer, Antidepressiva), Zahnersatz und Füllungen auf Unverträglichkeit. Findet sich dort eine Ursache, ist das Brennen oft kein BMS mehr, sondern behandelbar.
- ✓2. Reizstoffe weglassen – Scharfes, Saures, Kohlensäure, Alkohol, Nikotin, Zahnpasta mit Natriumlaurylsulfat (SLS) und Mundspülungen mit Alkohol reizen die Schleimhaut zusätzlich. Milde, SLS-freie Zahnpasta und ein Reiztagebuch über zwei Wochen zeigen, was bei dir zündet.
- ✓3. Mund feucht halten – Häufig kleine Schlucke Wasser, zuckerfreie Kaugummis mit Xylit, bei ausgeprägter Trockenheit Speichelersatz-Gele oder -Sprays aus der Apotheke, vor allem nachts.
- ✓4. Topisches Clonazepam, ärztlich verordnet – Als Lutschtablette oder Mundspülung, die nicht geschluckt wird, kann Clonazepam die Brennintensität senken; das ist laut Cochrane einer der wenigen Ansätze mit einem Hinweis auf Wirkung, kurz- wie längerfristig. Verschreibungspflichtig, nicht zur Dauereinnahme gedacht.
- ✓5. Kognitive Verhaltenstherapie und Stressregulation – BMS verläuft chronisch und wird durch Stress, Angst und Schlafmangel lauter. Psychologische Verfahren zeigten in der Cochrane-Übersicht einen Hinweis auf längerfristige Besserung. Das ist keine Aussage darüber, dass das Brennen „psychisch“ wäre, sondern darüber, wie das Nervensystem Schmerz verarbeitet.
- ✓Alpha-Liponsäure: ausprobieren, aber nüchtern – Wird oft empfohlen, die Studien widersprechen sich. Wer es versucht, sollte Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden als mögliche Nebenwirkungen kennen und nach sechs bis acht Wochen ehrlich bilanzieren.
Hormontherapie & Burning Mouth Syndrom
Kontrollierte Studien zur Wirkung von HRT auf BMS fehlen weitgehend. Manche Frauen berichten eine Verbesserung unter systemischer Hormontherapie, möglicherweise durch die stabilisierende Wirkung von Östrogen auf Schleimhäute und Schmerzverarbeitung.
Eine Entscheidung für oder gegen HRT sollte nicht ausschließlich wegen BMS getroffen werden. Wenn andere Wechseljahresbeschwerden bestehen, kann HRT jedoch alle gleichzeitig verbessern. Parallel dazu ist eine interdisziplinäre BMS-Abklärung durch Zahnärztin, Neurologin und gegebenenfalls Psychologin sinnvoll.
Häufig gestellte Fragen
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- 1.Interventions for treating burning mouth syndrome – McMillan R, Forssell H, Buchanan JA et al.. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2016
- 2.Burning mouth syndrome and menopause – Dahiya P et al.. International Journal of Preventive Medicine, 2013
- 3.Update on burning mouth syndrome: overview and patient management – Scala A et al.. Critical Reviews in Oral Biology & Medicine, 2003
- 4.Burning mouth syndrome (BMS): double blind controlled study of alpha-lipoic acid (thioctic acid) therapy – Femiano F, Scully C. Journal of Oral Pathology & Medicine, 2002
- 5.Topical clonazepam in stomatodynia: a randomised placebo-controlled study – Gremeau-Richard C et al.. Pain, 2004
- 6.The menopause and oral health – Meurman JH, Tarkkila L, Tiitinen A. Maturitas, 2009

