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Herzstolpern als Symptom der Wechseljahre
Symptome · Herz & Kreislauf

Herzbeschwerden in den Wechseljahren
Herzstolpern, Herzrasen & wann du zur Ärztin solltest

Herzstolpern, Herzklopfen oder ein hoher Puls sind häufige Symptome während der Wechseljahre. Diese Symptome können beunruhigend sein, aber der Zusammenhang mit den Wechseljahren und schwerwiegenden Herzerkrankungen ist sehr wichtig zu verstehen.

SA
Dr. Saskia Appelhoff
· Aktualisiert Juni 2026· 7 Minuten Lesezeit

Zusammenfassung

Herzstolpern kann bis zu 42 % der Frauen in der Perimenopause und 54 % der Frauen in der Postmenopause betreffen. In den meisten Fällen ist es hormonell bedingt und harmlos. Trotzdem ist es wichtig, ernsthafte Herzerkrankungen sicher auszuschließen.

Auf einen Blick

Wie häufig?
42 % der Frauen in der Perimenopause, 54 % in der Postmenopause
Häufige Ursache
Hormonelle Schwankungen stören die Herzrhythmus-Regulation
Abklärung
EKG und Herzecho ausschließen – schnell und schmerzlos
Sofortmaßnahme
Vagale Manöver: kaltes Wasser, Valsalva-Manöver, tiefes Atmen

Was ist Herzstolpern?

Herzstolpern bezeichnet plötzliche Unregelmäßigkeiten des regulären Herzschlags. Betroffene empfinden es als ein Flattern, Rasen oder Aussetzen des Herzens. Viele Menschen spüren es als unangenehme, aber kurze Episode. Einzelne Herzstolpern sind medizinisch gesehen oft harmlose Extrasystolen, also außerplanmäßige Herzschläge.

Wichtig ist die Unterscheidung: Ein kurzes, selbst beendendes Herzstolpern ohne Begleitsymptome ist in der Regel harmlos und kann auch durch Koffein, Stress oder Schlafmangel ausgelöst werden. Herzstolpern mit anderen Symptomen oder anhaltend muss abgeklärt werden.

Herzstolpern und Herzrasen in den Wechseljahren werden oft im selben Atemzug genannt, sind aber nicht dasselbe. Beim Herzstolpern spürst du einzelne Aussetzer oder Extraschläge, beim Herzrasen einen durchgehend zu schnellen Puls. Beide hängen häufig mit denselben hormonellen Auslösern zusammen und treten nicht selten gemeinsam mit Hitzewallungen oder innerer Unruhe und Ängstlichkeit auf.

Was sind die Ursachen des Herzstolperns in den Wechseljahren?

Herzstolpern entsteht meist über das autonome (vegetative) Nervensystem, das den Herzrhythmus steuert. In den Wechseljahren spielt dabei vor allem das Östrogen eine Rolle. Es wirkt nicht nur auf den Zyklus, sondern auch auf Herzfrequenz und Blutdruck. Wenn der Östrogenspiegel in der Perimenopause stark schwankt, gerät der Herzschlag leichter aus dem Takt.

  • Hormonelle SchwankungenÖstrogen beeinflusst die Regulation des Herzrhythmus über das autonome Nervensystem. Wenn Östrogen in der Perimenopause stark schwankt, kann dies zu Unregelmäßigkeiten im Herzschlag führen.
  • Hitzewallungen als direkter AuslöserHitzewallungen gehen mit einer plötzlichen Erweiterung der Blutgefäße und erhöhter Herzrate einher. Viele Frauen bemerken Herzrasen während oder unmittelbar nach einer Hitzewallung.
  • Schlafmangel und StressChronischer Schlafentzug durch nächtliche Hitzewallungen erhöht den Sympathikotonus, was die Herzrate steigert und Herzstolpern begünstigen kann.
  • Veränderter ElektrolythaushaltÖstrogen beeinflusst auch den Kalzium- und Magnesiumhaushalt. Magnesiummangel ist ein bekannter Auslöser von Herzrhythmusstörungen und kann in den Wechseljahren häufiger auftreten.

Daneben können weitere Faktoren Herzstolpern auslösen oder verstärken: Stress, zu wenig Schlaf, viel Koffein, bestimmte Medikamente sowie Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen. Auch deshalb lohnt sich bei häufigem Herzstolpern ein ärztlicher Blick.

Dr. med. Catharina Hamm, Kardiologin
Interview
Auch das Broken-Heart-Syndrom, das viele schon einmal gehört haben, betrifft fast ausschließlich Frauen – in 90 % der Fälle sind es postmenopausale Frauen."
Dr. med. Catharina Hamm, Kardiologin · Herzgesundheit & Wechseljahre
Zum Interview →

Könnte Herzstolpern ein Anzeichen für ein ernstes Herzleiden sein?

Meist ist Herzstolpern harmlos und hängt mit den hormonellen Schwankungen zusammen. Selten kann aber eine ernstere Herzrhythmusstörung wie Vorhofflimmern dahinterstecken. Deshalb sollte neu aufgetretenes, häufiges oder anhaltendes Herzstolpern einmal ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn es mit Schwindel, Ohnmacht, Atemnot oder Brustschmerzen einhergeht.

Eine Abklärung schafft vor allem Sicherheit. So lässt sich klären, ob das Herz gesund ist und ob über die hormonellen Schwankungen hinaus etwas behandelt werden sollte.

Einige Hinweise und Anhaltspunkte: Harmlos vs. ernsthaft

Harmlose HerzstolpernErnsthafte Herzleiden
AuftretenGelegentlich und meist spontan endendRegelmäßig und anhaltend oder mit Herzrhythmusstörungen
DauerKurz, wenige Sekunden bis Minuten, die diffus vorübergehenLänger, Minuten bis Stunden, Wiederkehren der Minuten
SymptomeKein ausgeprägtes „Jagen“ oder HerzrasenBegleitet von Brustschmerzen, Schwäche, Atemnot oder Schwindel
Weitere SymptomeKeine weiteren Anzeichen einer schweren HerzerkrankungKann mit Ohnmacht, Kurzatmigkeit oder Schweißausbrüchen assoziiert sein

Was kann man gegen Herzstolpern tun?

Sofort einsetzbare Maßnahmen

  • Kaltes Wasser trinken oder ins Gesicht spritzen (stimuliert den Vagusnerv)
  • Valsalva-Manöver: Tief einatmen, dann pressen als ob man beim Stuhlgang ist, für 15 Sekunden
  • Langsame Bauchatmung (4 Sekunden ein, 4 Sekunden halten, 6 Sekunden aus)
  • Ruhig hinsetzen und Panik vermeiden

Gesunde Ernährung & Bewegung

  • Regelmäßige Bewegung hat einen starken Einfluss auf die Herzgesundheit. Ziele 150 Minuten pro Woche auf moderate Intensität. Vermeide sehr intensive Belastung unmittelbar nach Herzstolpern
  • Magnesiumreiche Ernährung: Nüsse, Samen, dunkles Blattgemüse, Vollkornprodukte. Magnesium ist wichtig für das Herzrhythmus-Management
  • Koffein und Alkohol reduzieren, da beide Herzstolpern auslösen können

Gesunder Entspannungsschlaf

  • Ein kühles Schlafzimmer, das bei den meisten Menschen am besten zwischen 16 und 20 Grad liegt, kann den Schlaf und das Herzstolpern verbessern
  • Regelmäßige Schlafenszeiten und Stressabbau vor dem Schlafen

Phytische Unterstützung

  • Weißdorn (Crataegus): Traditionell für Herzgesundheit eingesetzt; zeigt in Studien eine milde herzfrequenzsenkende Wirkung
  • Magnesium-Supplementierung (200–400 mg/Tag) kann Herzstolpern reduzieren, besonders bei Magnesiummangel

Stressabbau und Entspannung

  • Atemübungen und Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung oder Yoga haben direkte positive Auswirkungen auf Herzrhythmus und Herzrate
  • Biofeedback-Therapie kann helfen, den Herzrhythmus bewusst zu regulieren

Wann ärztliche Hilfe empfohlen ist

  • Wechseljahresbedingte Herzschläge (mind. 3x im Jahr)
  • Brustschmerzen oder Druckgefühl in der Brust
  • Schmerzen im Schulter- oder Armbereich
  • Schweregrad der Herzstolpern zunehmend oder Atemnot
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Quellen & Studien

  1. 1.Palpitations across the menopause transition in SWAN: trajectories, characteristics, and associations with subclinical cardiovascular diseaseCarpenter JS et al.. Menopause, 2022
  2. 2.The protective effects of estrogen on the cardiovascular systemMendelsohn ME, Karas RH. New England Journal of Medicine, 1999
  3. 3.Correlates of palpitations during menopause: a scoping reviewCarpenter JS et al.. Women's Health (London), 2022
  4. 4.Treating arrhythmias with adjunctive magnesium: identifying future research directionsBaker WL. European Heart Journal - Cardiovascular Pharmacotherapy, 2017
  5. 5.Independent association of palpitation with vasomotor symptoms and anxiety in middle-aged womenEnomoto H et al.. Menopause, 2021