Zusammenfassung
Herzstolpern kann bis zu 42 % der Frauen in der Perimenopause und 54 % der Frauen in der Postmenopause betreffen. In den meisten Fällen ist es hormonell bedingt und harmlos. Trotzdem ist es wichtig, ernsthafte Herzerkrankungen sicher auszuschließen.
Auf einen Blick
- Wie häufig?
- 42 % der Frauen in der Perimenopause, 54 % in der Postmenopause
- Häufige Ursache
- Hormonelle Schwankungen stören die Herzrhythmus-Regulation
- Abklärung
- EKG und Herzecho ausschließen – schnell und schmerzlos
- Sofortmaßnahme
- Vagale Manöver: kaltes Wasser, Valsalva-Manöver, tiefes Atmen
Was ist Herzstolpern?
Herzstolpern bezeichnet plötzliche Unregelmäßigkeiten des regulären Herzschlags. Betroffene empfinden es als ein Flattern, Rasen oder Aussetzen des Herzens. Viele Menschen spüren es als unangenehme, aber kurze Episode. Einzelne Herzstolpern sind medizinisch gesehen oft harmlose Extrasystolen, also außerplanmäßige Herzschläge.
Wichtig ist die Unterscheidung: Ein kurzes, selbst beendendes Herzstolpern ohne Begleitsymptome ist in der Regel harmlos und kann auch durch Koffein, Stress oder Schlafmangel ausgelöst werden. Herzstolpern mit anderen Symptomen oder anhaltend muss abgeklärt werden.
Herzstolpern und Herzrasen in den Wechseljahren werden oft im selben Atemzug genannt, sind aber nicht dasselbe. Beim Herzstolpern spürst du einzelne Aussetzer oder Extraschläge, beim Herzrasen einen durchgehend zu schnellen Puls. Beide hängen häufig mit denselben hormonellen Auslösern zusammen und treten nicht selten gemeinsam mit Hitzewallungen oder innerer Unruhe und Ängstlichkeit auf.
Was sind die Ursachen des Herzstolperns in den Wechseljahren?
Herzstolpern entsteht meist über das autonome (vegetative) Nervensystem, das den Herzrhythmus steuert. In den Wechseljahren spielt dabei vor allem das Östrogen eine Rolle. Es wirkt nicht nur auf den Zyklus, sondern auch auf Herzfrequenz und Blutdruck. Wenn der Östrogenspiegel in der Perimenopause stark schwankt, gerät der Herzschlag leichter aus dem Takt.
- ✓Hormonelle Schwankungen – Östrogen beeinflusst die Regulation des Herzrhythmus über das autonome Nervensystem. Wenn Östrogen in der Perimenopause stark schwankt, kann dies zu Unregelmäßigkeiten im Herzschlag führen.
- ✓Hitzewallungen als direkter Auslöser – Hitzewallungen gehen mit einer plötzlichen Erweiterung der Blutgefäße und erhöhter Herzrate einher. Viele Frauen bemerken Herzrasen während oder unmittelbar nach einer Hitzewallung.
- ✓Schlafmangel und Stress – Chronischer Schlafentzug durch nächtliche Hitzewallungen erhöht den Sympathikotonus, was die Herzrate steigert und Herzstolpern begünstigen kann.
- ✓Veränderter Elektrolythaushalt – Östrogen beeinflusst auch den Kalzium- und Magnesiumhaushalt. Magnesiummangel ist ein bekannter Auslöser von Herzrhythmusstörungen und kann in den Wechseljahren häufiger auftreten.
Daneben können weitere Faktoren Herzstolpern auslösen oder verstärken: Stress, zu wenig Schlaf, viel Koffein, bestimmte Medikamente sowie Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen. Auch deshalb lohnt sich bei häufigem Herzstolpern ein ärztlicher Blick.
Könnte Herzstolpern ein Anzeichen für ein ernstes Herzleiden sein?
Meist ist Herzstolpern harmlos und hängt mit den hormonellen Schwankungen zusammen. Selten kann aber eine ernstere Herzrhythmusstörung wie Vorhofflimmern dahinterstecken. Deshalb sollte neu aufgetretenes, häufiges oder anhaltendes Herzstolpern einmal ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn es mit Schwindel, Ohnmacht, Atemnot oder Brustschmerzen einhergeht.
Eine Abklärung schafft vor allem Sicherheit. So lässt sich klären, ob das Herz gesund ist und ob über die hormonellen Schwankungen hinaus etwas behandelt werden sollte.
Einige Hinweise und Anhaltspunkte: Harmlos vs. ernsthaft
| Harmlose Herzstolpern | Ernsthafte Herzleiden | |
|---|---|---|
| Auftreten | Gelegentlich und meist spontan endend | Regelmäßig und anhaltend oder mit Herzrhythmusstörungen |
| Dauer | Kurz, wenige Sekunden bis Minuten, die diffus vorübergehen | Länger, Minuten bis Stunden, Wiederkehren der Minuten |
| Symptome | Kein ausgeprägtes „Jagen“ oder Herzrasen | Begleitet von Brustschmerzen, Schwäche, Atemnot oder Schwindel |
| Weitere Symptome | Keine weiteren Anzeichen einer schweren Herzerkrankung | Kann mit Ohnmacht, Kurzatmigkeit oder Schweißausbrüchen assoziiert sein |
Was kann man gegen Herzstolpern tun?
Sofort einsetzbare Maßnahmen
- Kaltes Wasser trinken oder ins Gesicht spritzen (stimuliert den Vagusnerv)
- Valsalva-Manöver: Tief einatmen, dann pressen als ob man beim Stuhlgang ist, für 15 Sekunden
- Langsame Bauchatmung (4 Sekunden ein, 4 Sekunden halten, 6 Sekunden aus)
- Ruhig hinsetzen und Panik vermeiden
Gesunde Ernährung & Bewegung
- Regelmäßige Bewegung hat einen starken Einfluss auf die Herzgesundheit. Ziele 150 Minuten pro Woche auf moderate Intensität. Vermeide sehr intensive Belastung unmittelbar nach Herzstolpern
- Magnesiumreiche Ernährung: Nüsse, Samen, dunkles Blattgemüse, Vollkornprodukte. Magnesium ist wichtig für das Herzrhythmus-Management
- Koffein und Alkohol reduzieren, da beide Herzstolpern auslösen können
Gesunder Entspannungsschlaf
- Ein kühles Schlafzimmer, das bei den meisten Menschen am besten zwischen 16 und 20 Grad liegt, kann den Schlaf und das Herzstolpern verbessern
- Regelmäßige Schlafenszeiten und Stressabbau vor dem Schlafen
Phytische Unterstützung
- Weißdorn (Crataegus): Traditionell für Herzgesundheit eingesetzt; zeigt in Studien eine milde herzfrequenzsenkende Wirkung
- Magnesium-Supplementierung (200–400 mg/Tag) kann Herzstolpern reduzieren, besonders bei Magnesiummangel
Stressabbau und Entspannung
- Atemübungen und Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung oder Yoga haben direkte positive Auswirkungen auf Herzrhythmus und Herzrate
- Biofeedback-Therapie kann helfen, den Herzrhythmus bewusst zu regulieren
Wann ärztliche Hilfe empfohlen ist
- Wechseljahresbedingte Herzschläge (mind. 3x im Jahr)
- Brustschmerzen oder Druckgefühl in der Brust
- Schmerzen im Schulter- oder Armbereich
- Schweregrad der Herzstolpern zunehmend oder Atemnot
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- 1.Palpitations across the menopause transition in SWAN: trajectories, characteristics, and associations with subclinical cardiovascular disease – Carpenter JS et al.. Menopause, 2022
- 2.The protective effects of estrogen on the cardiovascular system – Mendelsohn ME, Karas RH. New England Journal of Medicine, 1999
- 3.Correlates of palpitations during menopause: a scoping review – Carpenter JS et al.. Women's Health (London), 2022
- 4.Treating arrhythmias with adjunctive magnesium: identifying future research directions – Baker WL. European Heart Journal - Cardiovascular Pharmacotherapy, 2017
- 5.Independent association of palpitation with vasomotor symptoms and anxiety in middle-aged women – Enomoto H et al.. Menopause, 2021

