++ 6.7.26: Dr. Orfanos-Boeckel zum Thema Prävention ab 40 ++
Herzrasen als Symptom der Wechseljahre
Symptome · Kreislauf & Herz

Herzrasen in den Wechseljahren
Ursachen, Rhythmus & was wirklich hilft

Das Herz schlägt plötzlich schneller, unregelmäßig oder fühlbar stark, ganz ohne körperliche Anstrengung. Herzrasen in den Wechseljahren ist häufig und hat hormonelle Ursachen. Es ist in den meisten Fällen harmlos, aber unangenehm und kann beängstigend wirken.

SA
Dr. Saskia Appelhoff
· Aktualisiert Juni 2026· 5 Minuten Lesezeit

Zusammenfassung

Das Herz schlägt plötzlich schneller, unregelmäßig oder fühlbar stark, ganz ohne körperliche Anstrengung. Herzrasen in den Wechseljahren ist häufig und hat hormonelle Ursachen. Es ist in den meisten Fällen harmlos, aber unangenehm und kann beängstigend wirken.

Warum entsteht Herzrasen in den Wechseljahren?

Östrogen stabilisiert das autonome Nervensystem und den Herzrhythmus. Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, verliert die Herzfrequenzregulation einen wichtigen Anker. Das Ergebnis: Das Herz reagiert sensibler auf Reize, die sonst unbemerkt blieben.

Der gleiche Mechanismus, der Hitzewallungen verursacht, steckt auch hinter dem Herzrasen. Vasomotorische Instabilität führt dazu, dass sich Blutgefäße plötzlich weiten. Das Herz kompensiert diesen Druckabfall mit einem schnelleren Schlag. Gleichzeitig steigen Adrenalin und Noradrenalin in den Wechseljahren an, die das Herz direkt stimulieren. Progesteron, das in der Perimenopause ebenfalls absinkt, hat eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem, die damit wegfällt.

Herzrasen tritt häufig zusammen mit Hitzewallungen auf. Der gleiche hormonelle Mechanismus steckt dahinter: ein übersensibles autonomes Nervensystem, das auf kleinste Reize reagiert.

Herzrasen vs. Herzstolpern: Was ist der Unterschied?

Herzrasen (Tachykardie)

  • Herz schlägt schnell (über 100 Schläge pro Minute)
  • Regelmäßiger Rhythmus
  • Klingt nach wenigen Minuten ab

Herzstolpern (Palpitationen)

  • Spürbare einzelne starke Schläge
  • Kurze Aussetzer oder unregelmäßiger Rhythmus
  • Beunruhigend, aber meist harmlos
Wann sofort zum Arzt: Neu auftretende Herzrhythmusstörungen, Schmerzen in Brust oder Arm, Atemnot oder Ohnmacht erfordern sofortige ärztliche Abklärung. Wenn du dir unsicher bist, nimm deine Beschwerden ernst und such ärztlichen Rat.

Was löst Herzrasen aus?

Die hormonelle Grundlage lässt sich nicht auf Knopfdruck abstellen, aber viele Frauen bemerken Faktoren, die Episoden häufiger oder intensiver machen:

  • HitzewallungenDas Blutgefäßsystem reagiert auf Hitzeepisoden mit kompensatorischem Herzrasen. Beides hängt am gleichen Mechanismus.
  • Stress und erhöhtes CortisolStresshormone aktivieren direkt das sympathische Nervensystem und beschleunigen den Herzschlag.
  • KoffeinStimuliert das Herz und senkt die Schwelle für Palpitationen. Besonders nachmittags und abends wirkt sich Koffein stärker aus.
  • AlkoholKann den Herzrhythmus destabilisieren, besonders in der zweiten Nachthälfte, wenn der Alkohol abgebaut wird.
  • SchlafmangelErhöht Adrenalin und beeinträchtigt die Herzfrequenzvariabilität. Ein Teufelskreis, da Herzrasen selbst den Schlaf stören kann.
  • Andere körperliche UrsachenNicht jedes Herzrasen kommt von den Wechseljahren. Wenn dich die Beschwerden belasten, hilft dir deine Ärztin oder dein Arzt, andere Ursachen einzuordnen.

Was wirklich hilft

Die wirksamste Behandlung ist die Hormontherapie. Daneben helfen gezielte Lebensstilmaßnahmen, die Häufigkeit und Intensität von Herzrasen-Episoden zu reduzieren.

  • Koffein reduzierenTee, Kaffee und Energy-Drinks begrenzen, besonders nachmittags und abends.
  • StressmanagementAtemübungen (4-7-8-Atmung), Vagusnerv-Stimulation und Yoga aktivieren den Parasympathikus und beruhigen das Herz.
  • Ausreichend TrinkenDehydration erhöht die Herzfrequenz. Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich helfen, den Kreislauf stabil zu halten.
  • Regelmäßige BewegungVerbessert die Herzfrequenzvariabilität und die Stresstoleranz. Moderate Ausdauerbelastung ist besonders wirksam.
  • Schlaf schützenSchlechter Schlaf ist ein Haupttreiber von Herzrasen. Schlafhygiene und eine kühle Schlafumgebung helfen, den Kreislauf nachts zu stabilisieren.
  • Alkohol meidenBesonders vor dem Schlafen, da Alkohol den Herzrhythmus in der zweiten Nachthälfte stören kann.

Ob Nahrungsergänzungsmittel für dich sinnvoll sind, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Gemeinsam findet ihr heraus, was dir guttut.

Katharina Aschenbach
Interview
Obwohl ich erst seit vier Jahren postmenopausal bin, hatte ich bereits mit Anfang, Mitte 40 typische Wechseljahrsymptome wie Unruhe, Herzrasen, Unwohlsein und Angst – besonders in Bezug auf mein Herz. Doch damals hat kein Arzt die Wechseljahre in Betracht gezogen. Stattdessen hieß es, ich müsste einfach ruhiger werden und weniger arbeiten. Selbst meine Frauenärztin hat die Wechseljahre als Ursache ausgeschlossen, weil ich "erst Mitte 40" war."
Katharina Aschenbach
Zum Interview →

Hormontherapie: Herzrasen an der Wurzel behandeln

HRT stabilisiert den Östrogenspiegel und reduziert dadurch vasomotorische Instabilität, die Hauptursache für wechseljahresbedingtes Herzrasen. Viele Frauen berichten, dass Herzrasen und Herzstolpern mit Beginn der Hormontherapie deutlich nachlassen. Die Entscheidung ist individuell und sollte mit einer Ärztin besprochen werden, die sich mit dem Thema auskennt.

Passende Kurse von MeNotPause

Fundiertes Wissen von Expertinnen, im eigenen Tempo. Sofortiger Zugang, jederzeit verfügbar.

Komplettpaket · Wissen, das dich begleitet

MeNotPause Plus Programm

Alle Masterclasses in einem Paket: Schlaf, Hormonersatztherapie, Ernährung, Sport und mehr. Du bekommst fundiertes Wissen, praktische Impulse und Orientierung für diese Lebensphase: in deinem Tempo und gemeinsam mit einer Community, die versteht, was du gerade erlebst.

119 €einmalig
Zum Plus Programm

Häufig gestellte Fragen

Wie stark sind deine Wechseljahressymptome?

Der MeNotPause Symptomtest bewertet deine Beschwerden in 3 Minuten, kostenlos und anonym.

Zum Symptomtest →
Gemeinsam durch die Wechseljahre
Im MeNotPause Circle tauschst du dich mit Gleichgesinnten aus und bekommst Antworten von Expertinnen.
Zum Circle →
Kurs: Hormonersatztherapie
Nutzen, Risiken und Anwendung der HRT verständlich erklärt, damit du gut vorbereitet ins Arztgespräch gehst.
Kurs entdecken (19 €) →

Quellen & Studien

  1. 1.Cardiovascular changes during hot flashes in healthy menopausal womenFreedman RR et al.. Fertility and Sterility, 2005
  2. 2.Duration of menopausal vasomotor symptoms over the menopause transition (SWAN)Avis NE et al.. JAMA Internal Medicine, 2015
  3. 3.Menopausal hormone therapy and cardiovascular diseaseBoardman HM et al.. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015