Zusammenfassung
Das Herz schlägt plötzlich schneller, unregelmäßig oder fühlbar stark, ganz ohne körperliche Anstrengung. Herzrasen in den Wechseljahren ist häufig und hat hormonelle Ursachen. Es ist in den meisten Fällen harmlos, aber unangenehm und kann beängstigend wirken.
Warum entsteht Herzrasen in den Wechseljahren?
Östrogen stabilisiert das autonome Nervensystem und den Herzrhythmus. Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, verliert die Herzfrequenzregulation einen wichtigen Anker. Das Ergebnis: Das Herz reagiert sensibler auf Reize, die sonst unbemerkt blieben.
Der gleiche Mechanismus, der Hitzewallungen verursacht, steckt auch hinter dem Herzrasen. Vasomotorische Instabilität führt dazu, dass sich Blutgefäße plötzlich weiten. Das Herz kompensiert diesen Druckabfall mit einem schnelleren Schlag. Gleichzeitig steigen Adrenalin und Noradrenalin in den Wechseljahren an, die das Herz direkt stimulieren. Progesteron, das in der Perimenopause ebenfalls absinkt, hat eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem, die damit wegfällt.
Herzrasen tritt häufig zusammen mit Hitzewallungen auf. Der gleiche hormonelle Mechanismus steckt dahinter: ein übersensibles autonomes Nervensystem, das auf kleinste Reize reagiert.
Herzrasen vs. Herzstolpern: Was ist der Unterschied?
Herzrasen (Tachykardie)
- Herz schlägt schnell (über 100 Schläge pro Minute)
- Regelmäßiger Rhythmus
- Klingt nach wenigen Minuten ab
Herzstolpern (Palpitationen)
- Spürbare einzelne starke Schläge
- Kurze Aussetzer oder unregelmäßiger Rhythmus
- Beunruhigend, aber meist harmlos
Was löst Herzrasen aus?
Die hormonelle Grundlage lässt sich nicht auf Knopfdruck abstellen, aber viele Frauen bemerken Faktoren, die Episoden häufiger oder intensiver machen:
- ▲Hitzewallungen – Das Blutgefäßsystem reagiert auf Hitzeepisoden mit kompensatorischem Herzrasen. Beides hängt am gleichen Mechanismus.
- ▲Stress und erhöhtes Cortisol – Stresshormone aktivieren direkt das sympathische Nervensystem und beschleunigen den Herzschlag.
- ▲Koffein – Stimuliert das Herz und senkt die Schwelle für Palpitationen. Besonders nachmittags und abends wirkt sich Koffein stärker aus.
- ▲Alkohol – Kann den Herzrhythmus destabilisieren, besonders in der zweiten Nachthälfte, wenn der Alkohol abgebaut wird.
- ▲Schlafmangel – Erhöht Adrenalin und beeinträchtigt die Herzfrequenzvariabilität. Ein Teufelskreis, da Herzrasen selbst den Schlaf stören kann.
- ▲Andere körperliche Ursachen – Nicht jedes Herzrasen kommt von den Wechseljahren. Wenn dich die Beschwerden belasten, hilft dir deine Ärztin oder dein Arzt, andere Ursachen einzuordnen.
Was hilft gegen Herzrasen in den Wechseljahren?
Die wirksamste Behandlung ist die Hormontherapie. Daneben helfen gezielte Lebensstilmaßnahmen, die Häufigkeit und Intensität von Herzrasen-Episoden zu reduzieren.
- ✓Koffein reduzieren – Tee, Kaffee und Energy-Drinks begrenzen, besonders nachmittags und abends.
- ✓Stressmanagement – Atemübungen (4-7-8-Atmung), Vagusnerv-Stimulation und Yoga aktivieren den Parasympathikus und beruhigen das Herz.
- ✓Ausreichend Trinken – Dehydration erhöht die Herzfrequenz. Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich helfen, den Kreislauf stabil zu halten.
- ✓Regelmäßige Bewegung – Verbessert die Herzfrequenzvariabilität und die Stresstoleranz. Moderate Ausdauerbelastung ist besonders wirksam.
- ✓Schlaf schützen – Schlechter Schlaf ist ein Haupttreiber von Herzrasen. Schlafhygiene und eine kühle Schlafumgebung helfen, den Kreislauf nachts zu stabilisieren.
- ✓Alkohol meiden – Besonders vor dem Schlafen, da Alkohol den Herzrhythmus in der zweiten Nachthälfte stören kann.
Ob Nahrungsergänzungsmittel für dich sinnvoll sind, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Gemeinsam findet ihr heraus, was dir guttut.

„Obwohl ich erst seit vier Jahren postmenopausal bin, hatte ich bereits mit Anfang, Mitte 40 typische Wechseljahrsymptome wie Unruhe, Herzrasen, Unwohlsein und Angst – besonders in Bezug auf mein Herz. Doch damals hat kein Arzt die Wechseljahre in Betracht gezogen. Stattdessen hieß es, ich müsste einfach ruhiger werden und weniger arbeiten. Selbst meine Frauenärztin hat die Wechseljahre als Ursache ausgeschlossen, weil ich "erst Mitte 40" war."
Hormontherapie: Herzrasen an der Wurzel behandeln
HRT stabilisiert den Östrogenspiegel und reduziert dadurch vasomotorische Instabilität, die Hauptursache für wechseljahresbedingtes Herzrasen. Viele Frauen berichten, dass Herzrasen und Herzstolpern mit Beginn der Hormontherapie deutlich nachlassen. Die Entscheidung ist individuell und sollte mit einer Ärztin besprochen werden, die sich mit dem Thema auskennt.
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- 1.Heart rate variability in menopausal hot flashes during sleep – Freedman RR et al.. Menopause, 2011
- 2.Duration of menopausal vasomotor symptoms over the menopause transition (SWAN) – Avis NE et al.. JAMA Internal Medicine, 2015
- 3.Menopausal hormone therapy and cardiovascular disease – Boardman HM et al.. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015

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