Unversehrt. Frauen und Schmerz
von Eva Biringer
Warum wird der Schmerz von Frauen so oft kleingeredet? Eva Biringer geht dieser Frage in "Unversehrt. Frauen und Schmerz" nach, und ich finde, sie tut es mit einer Klarheit, die berührt und gleichzeitig wachrüttelt.
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Eva Biringer nimmt sich in "Unversehrt. Frauen und Schmerz" ein Thema vor, das viele von uns aus eigener Erfahrung kennen: das Gefühl, mit Beschwerden nicht ernst genommen zu werden. Sie beleuchtet den sogenannten Gender Pain Gap, also die Tatsache, dass weiblicher Schmerz in Medizin und Gesellschaft anders bewertet wird als männlicher. Sehr nachvollziehbar zeigt sie, wie der männliche Körper über Jahrzehnte als medizinische Norm galt und Medikamente überwiegend an Männern getestet wurden, selbst bei Erkrankungen, die vor allem Frauen betreffen.
Besonders unter die Haut geht ihre eigene Familiengeschichte. Am Beispiel ihrer Großmutter, deren Schmerzen ein Leben lang übergangen wurden, macht Biringer das spürbar, was heute "Medical Gaslighting" genannt wird: das Abtun von Frauen als überempfindlich oder hysterisch. Doch das Buch bleibt nicht bei der Anklage stehen. Es ermutigt dich, deinen eigenen Schmerz ernst zu nehmen, Wissen über deinen Körper aufzubauen und selbstbewusster in Arztgesprächen aufzutreten.
Sprachlich ist Biringer zugänglich, ohne je oberflächlich zu werden. Sie verbindet fundierte Recherche mit persönlichen Anekdoten und klugen Analysen, sodass die Lektüre wütend, aber zugleich auch Mut machen kann. Dass das Buch 2025 mit dem NDR Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde, zeigt, wie sehr es einen Nerv trifft. Für mich ist es eine wichtige Stimme in der Debatte um Frauengesundheit, gerade auch mit Blick auf die Wechseljahre, in denen so viele Frauen das Gefühl kennen, nicht gehört zu werden.
Für wen ist das?
Für dich, wenn du dich schon einmal mit deinen Beschwerden nicht ernst genommen gefühlt hast und verstehen möchtest, warum das System dahinter so funktioniert. Das Buch stärkt dir den Rücken für selbstbewusstere Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten und ordnet persönliche Erfahrungen in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang ein.
Was uns weniger gefällt
Wenn du einen praktischen Ratgeber mit konkreten Tipps zu einzelnen Wechseljahres-Symptomen suchst, ist das hier nicht das richtige Buch. Biringer schreibt analytisch und gesellschaftskritisch. Wer eine Schritt-für-Schritt-Anleitung erwartet, sollte das wissen. Manche Passagen sind bewusst zugespitzt und können wütend machen, das ist gewollt.
Fazit
Ein kluges, mutiges Buch, das dir hilft, deinen eigenen Schmerz ernst zu nehmen und für dich einzustehen.
Empfehlung von Dr. Saskia Appelhoff. Wir empfehlen nur, was wir wirklich gut finden.
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