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Gelenk- und Muskelschmerzen als Symptom der Wechseljahre
Symptome · Gelenke

Gelenk- & Muskelschmerzen in den Wechseljahren
Ursachen, Zusammenhänge & was wirklich hilft

Steife Finger am Morgen, schmerzende Knie, unerklärliche Muskelschmerzen – viele Frauen bemerken diese Beschwerden erstmals in der Perimenopause, ohne den Zusammenhang mit den Wechseljahren zu kennen.

SA
Dr. Saskia Appelhoff
· Aktualisiert Juni 2026· 6 Minuten Lesezeit

Zusammenfassung

Bis zu 50 % der Frauen berichten in der Perimenopause über neue oder verstärkte Gelenk- und Muskelschmerzen (Arthralgie). Östrogen hat direkte entzündungshemmende Eigenschaften und ist am Kollagen- und Knorpelaufbau beteiligt. Sein Abfall betrifft das gesamte Bewegungsapparat-System. Krafttraining und Hormontherapie zeigen die besten Ergebnisse.

Auf einen Blick

Wie häufig?
Ca. 50 % der Frauen in der Perimenopause berichten über Arthralgie
Häufig betroffen
Hände/Finger, Knie, Hüfte, Schultern (inkl. Frozen Shoulder)
Abklären bei
Anhaltenden Schmerzen, Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung), Verdacht auf Rheuma
Wirksamste Maßnahme
Krafttraining + ggf. Hormontherapie (HRT)

Gelenk- & Muskelschmerzen in den Wechseljahren

Menopausale Arthralgie ist ein anerkanntes, aber wenig bekanntes Wechseljahressymptom. Sie tritt oft gleichzeitig mit anderen Symptomen auf, wie Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Fatigue, und wird häufig als normales „Älterwerden“ abgetan.

Wichtig zu wissen: Arthralgie in den Wechseljahren ist keine Arthritis und kein Rheuma. Sie kann aber zu Arthrose beitragen, wenn sie unbehandelt bleibt und Bewegung reduziert wird.

Wie Östrogen Gelenke schützt

Östrogen hat mehrere Schutzfunktionen im Bewegungsapparat:

  • Kollagenproduktion: Östrogen stimuliert die Kollagensynthese in Knorpel, Sehnen und Bändern. Sein Abfall beschleunigt den Abbau
  • Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit): Östrogen reguliert die Produktion dieser Schmierflüssigkeit. Weniger Östrogen bedeutet weniger Dämpfung
  • Entzündungshemmung: Östrogen moduliert entzündliche Zytokine (IL-1, TNF-α). Ohne diese Hemmung nehmen Entzündungsreaktionen in Gelenken zu
  • Muskelerhalt: Östrogen unterstützt die Muskelmasse und -kraft. Sein Abfall beschleunigt den altersbedingten Muskelabbau (Sarkopenie)

Typische Beschwerden & betroffene Gelenke

  • Morgensteifigkeit der HändeTypisch: Finger steif und schmerzend beim Aufwachen, bessert sich nach Bewegung
  • KnieschmerzenBesonders beim Treppensteigen, Aufstehen oder längerem Sitzen
  • Frozen ShoulderEingefrorene Schulter – in Japan als typischstes Wechseljahressymptom bekannt
  • Diffuse MuskelschmerzenÄhnlich Muskelkater, ohne erkennbare körperliche Belastung
  • Wirbelsäulen- & RückenschmerzenDurch Kollagenabbau in Bandscheiben und Bändern

Wenn vor allem der Rücken betroffen ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf den Zusammenhang mit dem Hormonhaushalt. Mehr dazu liest du in unserem Beitrag zu Rückenschmerzen in den Wechseljahren. Bleibt eine Schulter über Wochen steif und schmerzhaft, kann eine Frozen Shoulder dahinterstecken.

Kraftverlust und Muskelabbau (Sarkopenie)

Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren, dass die alltägliche Kraft nachlässt. Schwere Einkaufstaschen, das Treppensteigen oder längere Wege fühlen sich anstrengender an als früher. Das ist kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern hat einen klaren Hintergrund. Östrogen unterstützt den Erhalt von Muskelmasse und Muskelkraft. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, beschleunigt sich der natürliche altersbedingte Muskelabbau, die sogenannte Sarkopenie. Gleichzeitig lässt häufig die Ausdauer nach.

Mit der abnehmenden Muskelmasse verändert sich oft auch die Körperzusammensetzung. Der Körper neigt dazu, mehr viszerales Fett einzulagern, also Fett im Bauchraum rund um die Organe. Muskeln sind zudem stoffwechselaktiv, weshalb weniger Muskelmasse den Energieumsatz senken kann. Wer mehr über diesen Zusammenhang lesen möchte, findet vertiefende Informationen in unserem Beitrag zur Gewichtszunahme in den Wechseljahren. Auch die nachlassende Kraft selbst kann sich anfühlen wie eine Form der körperlichen Erschöpfung.

Die gute Nachricht: Dieser Prozess ist kein unausweichliches Schicksal. Regelmäßiges Krafttraining wirkt dem Muskelabbau nachweislich entgegen und kann ihn stoppen oder umkehren. Schon zwei bis drei Bewegungseinheiten pro Woche helfen, Muskelmasse und Kraft zu erhalten, die Gelenke zu stabilisieren und das Wohlbefinden zu stärken. Es ist nie zu spät, damit zu beginnen. Jede Form von Bewegung, die Freude macht und gut in den Alltag passt, ist ein wertvoller Schritt.

Hormontherapie & Gelenke – was sagen die Daten?

Die Women's Health Initiative (WHI) Daten zeigen, dass Frauen mit HRT signifikant weniger Gelenkschmerzen berichteten und eine geringere Arthrose-Progression zeigten als Frauen ohne HRT. Einzelne Studien zeigen, dass Östrogen allein Gelenksymptome signifikant reduzieren kann. Die Effektstärke variiert je nach Studiendesign und Population.

Ergänzend zu HRT oder als Alternative sind nachgewiesen wirksam: Krafttraining (stärkt Muskulatur rund um Gelenke), Omega-3-Fettsäuren (entzündungshemmend) und ausreichend Vitamin D + Kalzium für den Knochenerhalt.

Mehr zur Hormontherapie – Nutzen & Risiken →
Dr. med. Ursula Manunzio, Sport- & Präventionsmedizinerin
Interview
Es lagert sich mehr viszerales Fett an, die Muskelmasse sinkt und die Knochensubstanz wird dünner. Aber die gute Nachricht ist, dass ich dem nachweislich durch Training entgegenwirken bzw. es stoppen kann."
Dr. med. Ursula Manunzio, Sport- & Präventionsmedizinerin · Bewegung & Wechseljahre
Zum Interview →

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Quellen & Studien

  1. 1.Estrogen alone and joint symptoms in the Women's Health Initiative randomized trialChlebowski RT et al.. Menopause, 2013
  2. 2.Musculoskeletal pain and menopausal statusDugan SA et al.. Clinical Journal of Pain, 2006
  3. 3.Ovariectomized rats as a model of postmenopausal osteoarthritis: validation and applicationHoegh-Andersen P et al.. Arthritis Research & Therapy, 2004
  4. 4.Resistance training for postmenopausal women: systematic review and meta-analysisMartins Sá KM et al.. Menopause, 2023
  5. 5.Marine omega-3 fatty acids and inflammatory processes: Effects, mechanisms and clinical relevanceCalder PC. Biochimica et Biophysica Acta, 2015