Zusammenfassung
Das Restless Legs Syndrom betrifft Frauen doppelt so häufig wie Männer und kann sich in der Perimenopause erstmals zeigen oder verschlimmern. Eisenmangel ist eine der häufigsten, gut behandelbaren Ursachen. Ein einfacher Bluttest gibt Klarheit.
Auf einen Blick
- Typische Beschwerden
- Kribbeln, Ziehen, Brennen in den Beinen, Bewegungsdrang abends und nachts
- Wichtigster Laborwert
- Ferritin: Zielwert über 75 ng/ml für RLS-Patienten
- Mechanismus
- Dopaminstoffwechsel und Eisenstoffwechsel im Gehirn, beeinflusst durch Östrogen
- Abklärung
- Neurologische Untersuchung bei schwerem oder häufigem RLS empfohlen
Was ist das Restless Legs Syndrom?
Das Restless Legs Syndrom ist eine neurologische Erkrankung mit vier charakteristischen Merkmalen, die alle erfüllt sein müssen, damit die Diagnose gestellt wird:
- ✓Unangenehme Empfindungen – Kribbeln, Ziehen, Brennen, Jucken oder ein Druckgefühl, meist in den Unterschenkeln, seltener in Armen oder anderen Körperstellen
- ✓Bewegungsdrang – Ein starker, kaum unterdrückbarer Drang, die Beine zu bewegen. Die Bewegung lindert die Beschwerden sofort.
- ✓Ruheabhängigkeit – Die Beschwerden treten in Ruhe auf oder verstärken sich. Bewegung, Aufstehen oder Gehen bringen Erleichterung.
- ✓Zirkadiane Rhythmik – Die Symptome sind abends und nachts deutlich stärker als tagsüber. Das macht RLS zu einer der häufigsten Ursachen für Schlafstörungen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu Wadenkrämpfen: Krämpfe sind schmerzhaft, kurz und schlagartig. RLS ist ein anhaltend unangenehmes Gefühl ohne plötzlichen Schmerzkrampf. Auch zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Wechseljahren gibt es Überschneidungen. Bei RLS steht jedoch der Bewegungsdrang in Ruhe im Vordergrund.
Zusammenhang mit den Wechseljahren
Warum Frauen deutlich häufiger von RLS betroffen sind als Männer, ist nicht vollständig geklärt. Mehrere Mechanismen spielen eine Rolle:
- Östrogen und Dopamin: Östrogen beeinflusst den Dopaminstoffwechsel. Dopamin ist der zentrale Neurotransmitter bei der RLS-Entstehung. Wenn Östrogen in der Perimenopause sinkt, kann das die dopaminerge Regulation der Beinbewegungen stören.
- Eisenmangel durch starke Periodenblutungen: In der Perimenopause sind stärkere und unregelmäßigere Blutungen häufig. Das kann Ferritin absenken. Eisen ist für die Dopaminsynthese unverzichtbar. Ein niedriger Ferritinspiegel ist einer der wichtigsten vermeidbaren RLS-Auslöser.
- Schlafmangel durch Hitzewallungen: Schlafentzug selbst verschlechtert RLS-Symptome. Ein Teufelskreis entsteht: RLS stört den Schlaf, Schlafmangel verstärkt RLS. Mehr dazu im Beitrag zu Schlafstörungen in den Wechseljahren.
- Genetische Veranlagung: RLS hat eine starke familiäre Häufung. Wer betroffene Verwandte ersten Grades hat, trägt ein deutlich höheres Risiko.
Welche Laborwerte kontrollieren?
- ✓Ferritin (Eisenspeicher) – Der wichtigste Wert bei RLS. Zielwert für RLS-Patientinnen: über 75 ng/ml, optimal über 100 ng/ml. Auch ein „normales“ Ferritin im unteren Normbereich kann RLS begünstigen.
- ✓Hämoglobin und Blutbild – Zur Beurteilung des Gesamteisenstatuts. Hämoglobin kann noch normal sein, obwohl Ferritin bereits niedrig ist.
- ✓Vitamin B12 und Folsäure – Mängel können RLS-ähnliche Beschwerden verursachen oder ein bestehendes RLS verschlechtern.
- ✓TSH (Schilddrüse) – Sowohl Unter- als auch Überfunktion können neurologische Beschwerden verursachen, die RLS ähneln oder es verstärken.
Hormontherapie & Restless Legs Syndrom
Die Datenlage zur Wirkung von HRT auf RLS ist begrenzt. Einzelne Berichte beschreiben eine Verbesserung unter Östrogentherapie, möglicherweise über den Einfluss auf den Dopaminstoffwechsel. Andere Frauen berichten keine Veränderung.
Was HRT indirekt leisten kann: Sie reduziert Hitzewallungen und verbessert den Schlaf. Da Schlafentzug RLS verschlimmert, kann eine verbesserte Schlafqualität durch HRT auch RLS-Symptome mildern. Bei schwerem RLS ist eine neurologische Abklärung sinnvoll, unabhängig von der Hormonsituation.
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Weitere häufige Wechseljahressymptome
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- 1.Dopamine and iron in the pathophysiology of restless legs syndrome (RLS) – Allen RP. Sleep Medicine, 2004
- 2.When gender matters: restless legs syndrome. Report of the "RLS and woman" workshop endorsed by the European RLS Study Group – Manconi M et al.. Sleep Medicine Reviews, 2012
- 3.Gender differences in clinical, laboratory and polysomnographic features of restless legs syndrome – Holzknecht E et al.. Journal of Sleep Research, 2020
- 4.Iron supplementation for restless legs syndrome: a systematic review and meta-analysis – Avni T et al.. European Journal of Internal Medicine, 2019
- 5.European guidelines on management of restless legs syndrome: report of a joint task force by the EFNS, ENS and ESRS – Garcia-Borreguero D et al.. European Journal of Neurology, 2012
