Zusammenfassung
Kribbeln in den Händen oder Füßen, ein taubes Gefühl an der Haut, oder das Gefühl, als liefen Ameisen unter der Haut: Diese Empfindungen sind in den Wechseljahren häufiger als viele denken. Sie entstehen durch hormonelle Einflüsse auf das periphere Nervensystem und sind in den meisten Fällen harmlos.
Warum entsteht Kribbeln in den Wechseljahren?
Östrogen hat eine schützende Wirkung auf Nervenfasern und Myelinscheiden, die isolierende Hülle der Nerven. Wenn der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, kann das mehrere Auswirkungen auf das Nervensystem haben:
- Nervenleitungsgeschwindigkeit kann sich verändern
- Sensibilität von Nervenendigungen kann schwanken
- Mikrozirkulation in kleinen Blutgefäßen kann beeinträchtigt werden, besonders in Händen und Füßen
Vasomotorische Instabilität, also dieselbe Instabilität, die Hitzewallungen auslöst, beeinflusst auch die Durchblutung der Extremitäten. Kribbeln kann zudem durch Hyperventilation bei Angstzuständen ausgelöst werden. Angstzustände selbst können wechseljahresbedingt sein, was die Ursachenkette manchmal komplex macht.
Kribbeln tritt häufig zusammen mit anderen Nervensymptomen auf. Lies auch: Ängstlichkeit in den Wechseljahren.
Wie zeigt es sich?
Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Wechseljahren zeigen sich auf zwei typische Weisen:
Peripher (Hände, Füße, Haut)
Kribbeln, Taubheit, Ameisenlaufen. Besonders nachts oder morgens ausgeprägt. Oft besser mit Bewegung und wenn die Durchblutung angeregt wird.
Zentral / Situativ
Kribbeln bei Hitzewallungen, bei Stressreaktionen oder Hyperventilation. Klingt schnell ab, sobald der auslösende Moment vorbei ist.
Wann abklären lassen?
Kribbeln oder Taubheit, die einseitig auftreten, mit Schwäche, Sprachproblemen oder Sehstörungen einhergehen, oder plötzlich stark auftreten, erfordern sofortige ärztliche Abklärung. Diese Zeichen können auf etwas anderes hindeuten.
Auch wenn das Kribbeln nicht alarmierend wirkt: Wenn es dich belastet oder über längere Zeit anhält, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Kribbeln und Taubheitsgefühle können neben hormonellen Veränderungen auch andere Ursachen haben. Gemeinsam könnt ihr in Ruhe herausfinden, was hinter deinen Beschwerden steckt und welche Wege es für dich gibt. Du musst das nicht allein einordnen.
Was wirklich hilft
Wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind und das Kribbeln hormonell bedingt ist, gibt es mehrere Wege, die Beschwerden zu lindern:
- ✓Bewegung und Stretching – Regelmäßige Bewegung verbessert die Mikrozirkulation in Händen und Füßen und kann Kribbeln deutlich reduzieren.
- ✓Handgelenksbewegungen – Bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom helfen gezielte Dehnübungen für das Handgelenk, den Druck auf den Nerv zu verringern.
- ✓Stressreduktion – Hyperventilation durch Angstzustände löst Kribbeln aus. Atemtechniken wie die 4-7-8-Methode helfen, es gezielt zu unterbrechen.
- ✓Nährstoffversorgung im Blick behalten – Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Nervengesundheit. Wenn das Kribbeln anhält, kann deine Ärztin oder dein Arzt mit dir besprechen, ob es noch andere Auslöser gibt.
- ✓Schlaf verbessern – Kribbeln tritt häufig nachts stärker auf. Wer die Schlafqualität schützt, spürt das Kribbeln insgesamt weniger intensiv.
- ✓Wärme bei Taubheit – Warme Hände und Füße verbessern die Durchblutung kurzfristig. Ein warmes Bad oder Handwärmer können bei akuten Episoden helfen.
Hormontherapie
HRT kann Kribbeln verbessern, wenn es durch vasomotorische Instabilität oder Östrogenmangel-bedingte Nervenveränderungen entsteht. Manche Frauen berichten eine deutliche Besserung mit Beginn der Hormontherapie.
Da Kribbeln viele mögliche Ursachen hat, ist ärztliche Abklärung wichtig, bevor eine HRT begonnen wird. So lässt sich sicherstellen, dass die Therapie zur tatsächlichen Ursache passt.
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- 1.Estrogen and peripheral nerve function – Melcangi RC et al.. Frontiers in Neuroendocrinology, 2011
- 2.Carpal tunnel syndrome and the menopause – Stamboulis E et al.. Maturitas, 2006
- 3.Duration of menopausal vasomotor symptoms over the menopause transition (SWAN) – Avis NE et al.. JAMA Internal Medicine, 2015
- 4.Peripheral neuropathy associated with hormonal changes – Samuels MA. Continuum (Neurology), 2014
