++ 6.7.26: Dr. Orfanos-Boeckel zum Thema Prävention ab 40 ++
Depressive Verstimmungen als Symptom der Wechseljahre
Symptome · Psyche & Stimmung

Depressive Verstimmungen und Stimmungsschwankungen
Ursachen, Behandlung & wann du Hilfe holen solltest

In der Perimenopause steigt das Risiko für depressive Verstimmungen und depressive Episoden nachweislich. Die SWAN-Studie zeigt ein 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko im Vergleich zur prämenopausalen Phase. Dabei werden psychische Symptome häufig nicht mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht und bleiben deshalb lange unbehandelt. Ein frühes Erkennen und Einordnen erleichtert die Behandlung erheblich.

SA
Dr. Saskia Appelhoff
· Aktualisiert Juni 2026· 9 Minuten Lesezeit

Zusammenfassung

Das Risiko, in der Perimenopause eine depressive Episode zu entwickeln, ist laut der SWAN-Studie 2- bis 3-fach erhöht im Vergleich zu prämenopausalen Frauen. Depressive Verstimmungen sind häufig, gut behandelbar und kein Zeichen von persönlichem Versagen. Du bist damit nicht allein.

Auf einen Blick

Risiko in der Perimenopause
2- bis 3-fach erhöhtes Risiko für depressive Episoden (SWAN-Studie)
Ursache
Hormonschwankungen beeinflussen Serotonin, Dopamin und MAO-A
Verstärker
Schlafmangel, Stress, soziale Isolation, frühere depressive Episoden
Behandlung
HRT (perimenopausale Depression), Antidepressiva, Bewegung, Psychotherapie

Hormonelle Veränderungen und ihre psychischen Auswirkungen

Östrogen beeinflusst direkt die Serotoninproduktion und hemmt das Enzym MAO-A, das Serotonin abbaut. Wenn Östrogen in der Perimenopause schwankt oder sinkt, gerät dieses System aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig beeinflusst Östrogen die Dopaminregulation und die Empfindlichkeit der Stressachse (HPA-Achse).

Die Folge: Die Stimmung wird labiler, äußere Stressfaktoren treffen auf ein Nervensystem, das weniger Puffer hat als zuvor. Hinzu kommt, dass die Hormonschwankungen in der Perimenopause oft unvorhersehbar sind. Diese Instabilität ist für das Gehirn schwerer zu verarbeiten als ein gleichmäßig niedriger Hormonspiegel.

Häufigkeit und Risikofaktoren

Die SWAN-Studie zeigt ein 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko für depressive Episoden in der Perimenopause gegenüber prämenopausalen Frauen. Psychische Symptome wie Reizbarkeit, Angst und gedrückte Stimmung sind in dieser Phase weit verbreitet. Frauen, die in der Vergangenheit mit PMS, postnataler Depression oder anderen stimmungsbezogenen Erkrankungen zu kämpfen hatten, haben ein besonders erhöhtes Risiko.

Es sei angemerkt, dass eine familiäre Vorgeschichte von stimmungsbezogenen Erkrankungen sowie regelmäßige, starke Stressfaktoren ebenfalls das Risiko erhöhen können, dass eine Frau depressive Verstimmungen während ihrer Perimenopause entwickelt.

Typische Anzeichen und Beschwerden

Depressive Verstimmungen in der Perimenopause können sich auf vielfältige psychische Symptome äußern. Zu den häufigsten zählen:

  • Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit: Gefühle von Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit, verminderter Antrieb oder Energie
  • Schlafbeschwerden und verminderter Schlaf: Schlafstörungen, die mit verminderter Schlafqualität und weniger erholsamen Nächten verbunden sind
  • Angst, Unruhe- und Stressgefühle: Gefühle von Nervosität und Angst; häufig psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Magenprobleme
  • Veränderter Selbstwert: Negative Selbstwahrnehmung und soziale Rückzugstendenzen sowie vermindertes Konzentrationsvermögen und Vergesslichkeit

Wenn du diese Symptome über einen längeren Zeitraum erlebst, solltest du professionelle Hilfe suchen. Wenn du in einer akuten psychischen Krise bist, zögere nicht, sofort Hilfe zu suchen.

Erkennen und Behandeln

Es ist gut bekannt und wichtig, depressive Verstimmungen früh zu erkennen und ernst zu nehmen. Je eher du sie einordnest, desto leichter lässt sich gegensteuern. Der erste und wichtigste Schritt ist, dass du dich damit nicht allein durchschlägst.

Wenn dich diese Beschwerden belasten, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Gemeinsam könnt ihr in Ruhe herausfinden, was hinter deiner Stimmung steckt, ob die Wechseljahre eine Rolle spielen und welche Wege für dich passen. Bereite das Gespräch gern vor, indem du aufschreibst, seit wann und wie stark dich die Beschwerden begleiten. So fällt es leichter, gehört zu werden und gemeinsam eine gute Lösung zu finden.

Zusammenwirken körperlicher Begleiterscheinungen

Die intensiven Effekte weiterer menopausaler Beschwerden: Aggressivität, Gelenkschmerzen, ausgedehnte Schlafbeschwerden oder Schlafstörungen können das allgemeine Wohlbefinden erheblich beeinflussen. Typisch hierfür sind insbesondere auch körperliche Stresszustände, wie z. B. chronische Schmerzen oder andere körperliche Beschwerden, die die Lebensqualität senken und damit unmittelbar auch das Risiko depressiver Verstimmungen erhöhen.

  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung verbessert die Neurotransmitterfunktion und reduziert Stresshormone
  • Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung reich an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen unterstützt die psychische Gesundheit
  • Schlechte Lebensqualität: Die Bewältigung der Beschwerden, also Depression, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Schlafstörungen, führt dazu, dass die Lebensqualität sinkt und damit auch das Risiko depressiver Stimmungslagen erhöht wird

Behandlungsmöglichkeiten

Lebensstilmaßnahmen

  • Körperliche Aktivität: Regelmäßig Bewegung verbessert die Neurotransmitterfunktion und reduziert Glukokortikoide (Stresshormone)
  • Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung reich an Omega-3- Fettsäuren, Antioxidantien, Vitamin B-Komplex und Magnesium
  • Schlafroutine: Eine angepasste Schlafroutine kann Schlafprobleme reduzieren und Schlafqualität verbessern, was auch die Stimmung beeinflusst

Entspannungs- und Psychotherapie

  • Verhaltenstherapeutische Ansätze: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist gut wirksam. Sie hilft, automatische Gedanken zu identifizieren, Aktivierungspotenzial aufzubauen und Stimmungsschwankungen sowie Bewältigungsstrategien zu verbessern
  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren: Mindfulness-basierte kognitive Therapie (MBCT) kann die Stimmungsregulation längerfristig verbessern

Pflanzliche Begleitung

  • Für manche Frauen sind pflanzliche Ansätze eine sanfte Ergänzung bei leichteren Verstimmungen. Wichtig ist, dass pflanzliche Präparate Wechselwirkungen mit anderen Mitteln haben können. Ob und was für dich infrage kommt, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder Apothekerin.

Hormontherapie

  • Eine individuell und ärztlich begleitete Hormontherapie kann depressive Stimmungen in der Perimenopause verbessern. Sie wirkt nicht direkt antidepressiv, sondern, indem sie die Hormonschwankungen stabilisiert und so auch Schlaf, Hitzewallungen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern kann.
  • Ob eine Hormontherapie für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Situation ab. Das besprichst du in Ruhe mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
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Wann sofort Hilfe holen?

Bitte hol dir sofort Unterstützung, wenn:

  • Du Gedanken hegst, dir etwas anzutunTelefonseelsorge: 0800 111 0 111 (kostenlos, 24 Stunden). Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117.
  • Die Stimmung länger als zwei Wochen anhältDauerhaft gedrückte Stimmung ohne Besserung ist ein klares Signal, eine Ärztin oder Psychotherapeutin aufzusuchen.
  • Du dich hoffnungslos oder wertlos fühlstDiese Gefühle sind Symptome einer behandelbaren Erkrankung, keine Wahrheit über dich als Person.
  • Alltägliche Aufgaben kaum mehr möglich sindWenn Arbeit, Haushalt oder soziale Kontakte durch die Stimmung stark eingeschränkt werden, ist Unterstützung notwendig.

Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen. Es ist der mutigste und klügste Schritt, den du gehen kannst.

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