Zusammenfassung
Progesteron spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des gesamten Körpers: Es unterstützt die Knochen, indem es das Gleichgewicht mit dem knochenschützenden Östrogen fördert, wirkt gefäßerweiternd und hilft, den Blutdruck stabil zu halten sowie Herzrasen und Unruhe zu mildern. Gleichzeitig sorgt es für eine gesunde Hautstruktur und reguliert Talgproduktion und Haarzyklus. Auch das Immunsystem profitiert, denn Progesteron hemmt entzündliche Reaktionen und fördert die Balance der Immunabwehr. Wenn Progesteron in den Wechseljahren langsam zurückgeht, wird deutlich, wie stark sich dieser Verlust auf viele Bereiche des Körpers auswirken kann.
Auf einen Blick
- Im Gehirn
- beruhigend und angstlösend, fördert erholsamen Schlaf über die GABA-Rezeptoren
- Wirkt außerdem auf
- Gebärmutter und Eierstöcke, Brustgewebe, Knochen, Herz-Kreislauf-System, Haut und Haare, Immunsystem
- Rolle im Hormonhaushalt
- wichtiger Gegenspieler zum Östrogen, schützt vor einer Östrogendominanz
Was macht Progesteron im Körper?
Progesteron ist das Hormon der zweiten Zyklushälfte: Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine Schwangerschaft vor, wirkt beruhigend auf das Nervensystem, fördert den Schlaf und hält dem Östrogen das Gleichgewicht. In den Wechseljahren spielt es deshalb eine zentrale Rolle für Zyklus, Schlaf, Stimmung und den Schutz der Gebärmutterschleimhaut.
Im Gehirn wirkt Progesteron beruhigend und angstlösend. Es fördert einen erholsamen Schlaf, indem es die GABA-Rezeptoren aktiviert, die für die entspannende Wirkung im Nervensystem verantwortlich sind. Dadurch kann Progesteron Stimmungsschwankungen mildern und Konzentration sowie geistige Klarheit unterstützen.
Diese schlaffördernde Wirkung ist auch klinisch untersucht: Eine Auswertung von 9 randomisiert-kontrollierten Studien mit 388 Teilnehmerinnen fand, dass mikronisiertes Progesteron das Einschlafen messbar erleichtert, überwiegend bei Frauen nach der Menopause.
In Bezug auf Gebärmutter und Eierstöcke übernimmt Progesteron wichtige Aufgaben bei der Regulierung des Menstruationszyklus. Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung einer befruchteten Eizelle vor und verhindert gleichzeitig ein übermäßiges Wachstum der Schleimhaut. Dadurch schützt es vor einer Östrogendominanz, die in den Wechseljahren häufig zu Beschwerden führen kann.
Auch im Brustgewebe hat Progesteron eine ausgleichende Wirkung. Es reduziert Brustspannen und die Empfindlichkeit, die viele Frauen in dieser Lebensphase erleben. Zudem schützt es das Brustgewebe, indem es die Wirkung des Östrogens harmonisiert und so das Gewebe gesund erhält.
Insgesamt ist Progesteron ein wichtiger Gegenspieler zum Östrogen und sorgt für Balance im Körper, was besonders während der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren essenziell ist.
Wie und wann wirkt Progesteron?
Progesteron wirkt auf zwei Wegen. Über seinen eigenen Rezeptor steuert es die Gebärmutterschleimhaut und bremst das Wachstum, das Östrogen dort anstößt. Über sein Abbauprodukt Allopregnanolon verstärkt es im Gehirn die Wirkung des beruhigenden Botenstoffs GABA, ähnlich wie es Beruhigungsmittel tun, nur körpereigen. Daher kommen die schlaffördernde und die angstlösende Wirkung.
Wann es wirkt: In der Hormontherapie wird bioidentisches, mikronisiertes Progesteron deshalb abends eingenommen, weil es müde macht. Der Schutz der Gebärmutterschleimhaut wirkt ab dem ersten Zyklus. Der Effekt auf den Schlaf zeigte sich in einer kontrollierten Studie mit Schlaf-EEG bereits nach drei Wochen Einnahme: weniger nächtliche Wachzeit, ohne Beeinträchtigung der Konzentration am Tag.
Warum es früh fehlt: In der Perimenopause fällt Progesteron vor dem Östrogen, weil zunehmend Zyklen ohne Eisprung ablaufen und dann kein Gelbkörper entsteht, der es bildet. Das erklärt, warum Schlafprobleme, Reizbarkeit, Brustspannen und PMS-ähnliche Beschwerden oft die ersten Anzeichen sind, Jahre vor der ersten Hitzewallung. Mehr dazu unter Perimenopause.
Knochen, Herz-Kreislauf, Haut und Immunsystem
Neben den bereits erwähnten Funktionen beeinflusst Progesteron auch andere wichtige Bereiche des Körpers. Bei den Knochen trägt es indirekt zur Knochengesundheit bei, indem es das Gleichgewicht zu Östrogen unterstützt, einem Hormon, das für den Schutz der Knochen essentiell ist. So hilft Progesteron, den Knochenabbau zu verlangsamen und die Stabilität des Skeletts zu erhalten.
Auch das Herz-Kreislauf-System profitiert von Progesteron: Durch seine gefäßerweiternde Wirkung unterstützt es einen gesunden Blutdruck und kann helfen, Symptome wie Herzrasen oder Unruhe zu mildern, die während der Wechseljahre häufiger auftreten.
In Bezug auf Haut und Haare sorgt Progesteron für eine stabile Hautstruktur und beeinflusst die Talgproduktion sowie den Haarzyklus. So kann es dazu beitragen, dass Haut und Haare in dieser sensiblen Phase besser geschützt und gepflegt werden.
Darüber hinaus spielt Progesteron eine wichtige Rolle im Immunsystem, indem es entzündliche Reaktionen hemmt und die Immunbalance unterstützt. Dies trägt dazu bei, das allgemeine Wohlbefinden zu stärken und den Körper widerstandsfähiger gegenüber Stress und Erkrankungen zu machen.

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- 1.Progesterone reduces wakefulness in sleep EEG and has no effect on cognition in healthy postmenopausal women – Schüssler P et al.. Psychoneuroendocrinology, 2008
- 2.Efficacy of micronized progesterone for sleep: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trial data – Nolan BJ et al.. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2021
- 3.Progesterone or progestin as menopausal ovarian hormone therapy: recent physiology-based clinical evidence – Prior JC. Current Opinion in Endocrinology, Diabetes and Obesity, 2015

