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Haarausfall als Symptom der Wechseljahre
Symptome · Haut & Haare

Haarausfall in den Wechseljahren
Ursachen, Hormone & was wirklich hilft

Haare, die dichter ausfallen als gewohnt, dünner werdende Stellen oder ein verändertes Haarvolumen: Haarausfall in den Wechseljahren ist häufig und hat hormonelle Ursachen. Er ist selten dramatisch, aber belastend. Haare sind für viele Frauen Teil ihrer Identität.

SA
Dr. Saskia Appelhoff
· Aktualisiert Juni 2026· 6 Minuten Lesezeit

Zusammenfassung

Östrogen verlängert die Wachstumsphase des Haares (Anagenphase). Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, verkürzt sich diese Phase. Gleichzeitig verändert sich das hormonelle Gleichgewicht: Das Verhältnis von Östrogen zu Testosteron verschiebt sich zugunsten von Androgenen. Das Ergebnis ist häufig diffuser Haarausfall oder eine Ausdünnung am Scheitel.

Warum fallen Haare in den Wechseljahren aus?

Östrogen verlängert die Anagenphase, die aktive Wachstumsphase des Haares. Sinkende Östrogenspiegel verkürzen sie. Die Folge: Mehr Haare wechseln gleichzeitig in die Ruhephase (Telogenphase) und fallen aus, während weniger neue nachwachsen.

Gleichzeitig sinkt Progesteron, das Testosteron blockieren kann. Das Verhältnis Östrogen zu Testosteron verschiebt sich zugunsten von Androgenen. Androgene können die Haarfollikel verkleinern und eine androgenetische Alopezie auslösen. Entscheidend ist dabei das Gleichgewicht der Hormone, nicht ihr absoluter Spiegel.

Wann beginnt der Haarausfall?

Haarveränderungen können bereits in der Perimenopause beginnen, oft Jahre vor der letzten Regelblutung. Viele Frauen bemerken zunächst, dass das Haar feiner wird, weniger Volumen hat oder mehr in der Bürste bleibt. Der Zusammenhang mit dem Hormonwandel wird dabei häufig nicht sofort erkannt.

Haarausfall in den Wechseljahren und Veränderungen der Haut gehen oft Hand in Hand. Beide sind Ausdruck desselben Hormonwandels und können gemeinsam betrachtet werden.

Arten von Haarausfall in den Wechseljahren

Nicht jeder Haarausfall ist gleich. Die Unterscheidung hilft, die richtige Maßnahme zu wählen:

Diffuser Haarausfall (Telogen Effluvium)

Gleichmäßig weniger Haare überall auf dem Kopf. Typisch für die Perimenopause, wenn viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase wechseln. Oft reversibel, sobald sich die Hormonlage stabilisiert oder die Ursache behoben wird.

Androgenetische Alopezie

Ausdünnung am Scheitel und an den Schläfen, androgenbedingt. Ohne Behandlung progressiv. Frauen sind häufig betroffen, wenn die Schutzwirkung des Östrogens in den Wechseljahren nachlässt.

Was noch dahinterstecken kann

Neben dem Hormonwandel gibt es weitere häufige Ursachen für Haarausfall, die parallel auftreten können und abgeklärt werden sollten:

  • SchilddrüsenproblemeEine über- oder unteraktive Schilddrüse kann zu spürbarem Haarausfall beitragen. Wenn dich der Haarausfall belastet, lohnt es sich, das gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt im Blick zu behalten.
  • EisenmangelGerade Frauen mit starken Blutungen in der Perimenopause haben häufiger einen niedrigen Eisenspeicher, was sich auf das Haar auswirken kann. Ob das bei dir eine Rolle spielt, kann ärztlich abgeklärt werden.
  • NährstoffeEine ausgewogene Versorgung unterstützt gesundes Haar. Ob dir bestimmte Nährstoffe fehlen und eine Ergänzung sinnvoll ist, findest du am besten gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt heraus.
  • Chronischer StressErhöhte Cortisolspiegel triggern den Übergang von der Wachstums- in die Ruhephase. Stress ist ein eigenständiger, oft unterschätzter Haarausfall-Auslöser.
  • Mangelernährung und Crash-DiätenZu wenig Protein und zu wenig Kalorien schädigen das Haar dauerhaft. Haare sind energieintensives Gewebe, das bei Mangelversorgung als erstes leidet.

Was wirklich hilft

Haarausfall in den Wechseljahren lässt sich häufig bremsen, wenn die Ursache bekannt ist. Ein guter erster Schritt ist deshalb, die Beschwerden gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt einzuordnen.

Ernährung

  • Genug EiweißHaare bestehen aus Keratin, einem Protein. Eine eiweißreiche, ausgewogene Ernährung liefert deinem Körper das Baumaterial, das die Haarwurzeln brauchen.
  • Eisen im Blick behaltenEin gut gefüllter Eisenspeicher unterstützt gesundes Haar. Gerade bei starken Blutungen lohnt es sich, das ärztlich im Auge zu behalten.
  • Omega-3-FettsäurenUnterstützen die Durchblutung der Kopfhaut. Enthalten in fettem Fisch, Leinsamen und Walnüssen.
  • Vielfältig essenEine bunte, abwechslungsreiche Ernährung versorgt dich mit den Nährstoffen, die dein Haar braucht, etwa über Hülsenfrüchte, Nüsse, Gemüse und Vollkorn.

Haarpflege und Lebensstil

  • Schonende HaarpflegeHitze-Styling reduzieren, sanfte Bürsten verwenden und straffe Frisuren vermeiden, die die Follikel mechanisch belasten.
  • Stress reduzierenChronischer Stress ist ein eigenständiger Haarausfall-Trigger. Entspannungsrituale, Bewegung und ausreichend Schlaf helfen, den Cortisolspiegel zu senken.
  • Kopfhaut-MassageEine sanfte tägliche Kopfhaut-Massage kann die Durchblutung anregen und tut zugleich einfach gut. Studien deuten auf einen positiven Effekt auf die Haardichte hin.
  • Ärztlich einordnen lassenWenn dich der Haarausfall belastet, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Gemeinsam könnt ihr herausfinden, was dahintersteckt und welche Wege es für dich gibt.

Haarausfall in den Wechseljahren hat viele mögliche Ursachen. Wenn dich die Veränderungen belasten, ist ein vertrauensvolles Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt der wichtigste erste Schritt, um gemeinsam herauszufinden, was dir hilft.

Hormontherapie: Einfluss auf das Haar

Eine Hormontherapie kann wechseljahresbedingten Haarausfall bremsen, indem sie den Östrogenspiegel stabilisiert und die Wachstumsphase der Haare verlängert. Progesteron kann zusätzlich anti-androgen wirken und die Follikel schützen.

Einige Frauen berichten deutliche Verbesserungen, bei anderen bleibt der Effekt moderat. HRT ist kein Allheilmittel für Haarausfall. Andere Ursachen wie Schilddrüsenprobleme oder Eisenmangel müssen parallel abgeklärt werden.

Wann ist HRT sinnvoll?

  • Wenn Haarausfall klar mit dem Beginn der Perimenopause oder Menopause zusammenfällt und andere Ursachen ausgeschlossen sind
  • Wenn gleichzeitig andere Wechseljahressymptome wie Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Stimmungstiefs bestehen
  • Früher Beginn der Wechseljahre (unter 45), wenn der Östrogenmangel besonders lange anhält

Die Entscheidung für oder gegen eine HRT ist individuell und sollte mit einer Ärztin besprochen werden, die Erfahrung mit Wechseljahreshormonen hat.

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Quellen & Studien

  1. 1.Hormonal effects on hair folliclesTrüeb RM. International Journal of Molecular Sciences, 2020
  2. 2.Female pattern hair loss: a clinical, pathophysiologic, and therapeutic reviewBlumeyer A et al.. Journal of the German Society of Dermatology, 2011
  3. 3.Effect of a standardized scalp massage on dermal papilla cells and hair follicle growthKoyama T et al.. Eplasty, 2016
  4. 4.Iron deficiency and hair loss — a systematic reviewTrost LB et al.. Journal of the American Academy of Dermatology, 2006