Scheidentrockenheit in den Wechseljahren: Alexandra Brinckmann über ihre vaginale Atrophie und was wirklich hilft
Im Gespräch mit Alexandra Brinckmann, Gründerin und Geschäftsführerin von Nourish Care
Scheidentrockenheit, Juckreiz und Brennen im Intimbereich zählen zu den am meisten verschwiegenen Beschwerden der Wechseljahre. Bis zu jede zweite Frau ist davon betroffen, viele erfahren aber erst spät, dass es dafür einen Namen gibt: vaginale Atrophie.
Alexandra Brinckmann kennt dieses Schweigen aus eigener Erfahrung. Erst ein besonders schmerzhafter PAP-Abstrich brachte für sie Klarheit. Heute spricht sie offen über ihre Diagnose und hat als Gründerin und Geschäftsführerin von Nourish Care eine Fenchel-Intimcreme entwickeln lassen, die Frauen mit ähnlichen Beschwerden unterstützen soll.
Im Interview erklärt sie, woran Frauen vaginale Atrophie erkennen, warum sie gerade bei gynäkologischen Untersuchungen schmerzhaft werden kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es mit und ohne Hormone gibt.

Kernaussagen
Die wichtigsten Aussagen von Alexandra Brinckmann
„Deshalb habe ich mich entschieden, offen darüber zu sprechen, ich möchte dieses Tabuthema endlich brechen.“
„Ihr seid absolut nicht allein. Es gibt klare Namen und medizinische Erklärungen für das, was ihr spürt.“
„Vaginale Atrophie und Scheidentrockenheit sind hervorragend behandelbar, um mein Krankheitsbild wieder in den Griff zu bekommen, musste ich aber auch einige Produkte für mich selbst ausprobieren.“
Scheidentrockenheit und Beschwerden im Intimbereich sind für viele Frauen noch immer schambehaftete Themen. Du hast dich trotzdem entschieden, deine eigene Geschichte öffentlich zu machen. Warum?
Weil ich selbst lange gebraucht habe, bis ich meine Beschwerden einordnen konnte, und weil auch Freundinnen aus meinem Umfeld dieses Krankheitsbild gar nicht kannten. Während meiner Wechseljahre erlebte ich Trockenheit, Juckreiz und Schmerzen im Intimbereich, ohne mir das erklären zu können. Erst ein besonders schmerzhafter PAP-Abstrich führte dazu, dass meine Ärztin mir sagen konnte, was dahintersteckt, vaginale Atrophie.
Da ich für Mediziner arbeite und deshalb nach meiner Diagnose immer wieder mit Frauenärztinnen und Frauenärzten zu diesem Thema ins Gespräch gekommen bin, wurde mir bestätigt, dass Frauen, die ihre Beschwerden lieber verschweigen, anstatt sich Hilfe zu holen, oft besonders lange darunter leiden. Auch im Gespräch mit Freundinnen bemerkte ich immer wieder, dass ich eine der wenigen bin, die offen darüber spricht, viele hatten das Wort vaginale Atrophie noch nie gehört. Selbst in meiner eigenen Familie wurde darüber nie gesprochen, weder die Generation meiner Mutter und Urgroßmutter noch meine Schwestern haben je darüber geredet.
Es hat mir gezeigt, wie viele Frauen betroffen sind, bis zu jede zweite Frau in den Wechseljahren, und wie sehr trotzdem darüber geschwiegen wird, obwohl es Lebensqualität, Partnerschaft und das eigene Selbstbild beeinflusst. Deshalb habe ich mich entschieden, offen darüber zu sprechen, ich möchte dieses Tabuthema endlich brechen.
„Es hat mir gezeigt, wie viele Frauen betroffen sind, bis zu jede zweite Frau in den Wechseljahren, und wie sehr trotzdem darüber geschwiegen wird, obwohl es Lebensqualität, Partnerschaft und das eigene Selbstbild beeinflusst.“
Über Hitzewallungen wird heute deutlich offener gesprochen als über Schmerzen, Juckreiz oder Trockenheit im Intimbereich. Warum glaubst du, ist das Thema vaginale Atrophie noch immer so tabuisiert?
Hitzewallungen kennen viele Frauen, man bekommt zum Beispiel rote Wangen in den Wechseljahren, darüber lässt sich leichter sprechen. Beim Intimbereich ist das etwas ganz anderes, es geht um Sexualität und um ein Körperteil, über das viele Frauen selbst mit ihrer Ärztin oder ihrem Partner kaum sprechen. Dazu kommt, dass die Beschwerden Lebensqualität, Partnerschaft und Selbstwahrnehmung betreffen, sehr persönliche Bereiche, über die man sich schwerer öffnet. Ich glaube, viele Frauen denken, sie seien mit ihren Beschwerden ganz allein.
Vaginale Atrophie: Was dahintersteckt und warum sie in den Wechseljahren entsteht
Was ist vaginale Atrophie und warum tritt sie besonders häufig in den Wechseljahren auf?
Eine vaginale Atrophie ist eine Rückbildung und Ausdünnung der Scheidenschleimhaut sowie des umliegenden Gewebes, die vor allem durch Trockenheit, Elastizitätsverlust, Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr gekennzeichnet ist.
Hauptursache ist der Östrogenmangel, der mit den Wechseljahren einsetzt. Östrogene sind entscheidend für die Durchblutung, den Aufbau und die Feuchtigkeit der Schleimhäute im Urogenitaltrakt, und mit Beginn der Menopause stellen die Eierstöcke die Hormonproduktion weitgehend ein. Unter Östrogeneinfluss bildet das Scheidenepithel außerdem Glykogen, die Nahrungsgrundlage für eine gesunde Milchsäureflora, fehlt das Hormon, bricht diese Schutzfunktion ein. Anders als etwa Hitzewallungen bilden sich diese Veränderungen ohne Behandlung nicht von allein zurück, sondern schreiten mit zunehmendem Alter und anhaltendem Hormonmangel eher fort.
Scheidentrockenheit erkennen: Diese Anzeichen deuten auf vaginale Atrophie hin
Woran können Frauen erkennen, dass hinter Scheidentrockenheit, Juckreiz oder Brennen im Intimbereich eine vaginale Atrophie steckt?
Ein typisches Anzeichen ist das Gefühl von „dünner", verletzlicher Haut, viele Frauen beschreiben ein Spannungsgefühl, so als hätte die Schleimhaut an Elastizität verloren, sodass selbst alltägliche Bewegungen wie Gehen oder Sitzen reiben können. Durch die Ausdünnung des Gewebes kann es außerdem zu kleinen, schmerzhaften Einrissen am Scheideneingang kommen. Auch bei mir hat sich das zunächst über Juckreiz bemerkbar gemacht.
Auch Schmerzen beim und nach dem Geschlechtsverkehr sind ein deutliches Signal. Weil die natürliche Befeuchtung fehlt und die Scheide an Dehnbarkeit verliert, entstehen bei Intimität oft brennende oder stechende Schmerzen, teils gefolgt von kleinen, hellroten Kontaktblutungen.
Da das Gewebe der Harnwege ähnlich empfindlich auf den Östrogenmangel reagiert wie die Vaginalhaut, treten häufig zusätzlich urologische Beschwerden auf, etwa Brennen beim Wasserlassen, das sich wie eine Blasenentzündung anfühlt, ohne dass sich Bakterien nachweisen lassen, plötzlicher Harndrang oder unwillkürlicher Urinverlust, sowie wiederkehrende Harnwegsinfekte, weil das schützende, saure Milieu der Scheide verloren geht. Auch zwei Frauen, mit denen ich darüber gesprochen habe, berichteten mir, sie hätten das Gefühl gehabt, eine Blasenentzündung zu haben, dabei steckte in Wirklichkeit die vaginale Atrophie dahinter.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn diese Beschwerden in einer Phase auftreten, in der der Östrogenspiegel ohnehin absinkt, also in den Wechseljahren, der Postmenopause oder während der Stillzeit. In all diesen Fällen lohnt sich der Gang zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt, um die Beschwerden richtig einzuordnen.
„Ich glaube, viele Frauen denken, sie seien mit ihren Beschwerden ganz allein.“
Warum kann vaginale Atrophie zu Schmerzen beim Sex oder sogar bei gynäkologischen Untersuchungen wie dem PAP-Abstrich führen?
Die Schmerzen entstehen durch das Zusammenspiel mehrerer körperlicher Veränderungen. Durch den Östrogenmangel wird die Schleimhaut dünner und empfindlicher, sodass jede Reibung, sei es durch Geschlechtsverkehr oder durch das Spekulum und die Entnahmebürste beim PAP-Abstrich, auf ein verletzliches Gewebe trifft und brennende oder stechende Schmerzen auslöst. Gleichzeitig verliert die Scheidenwand an Elastizität, weil das Bindegewebe seine Flexibilität einbüßt, die notwendige Dehnung beim Einführen eines Spekulums oder beim Sex kann dann zu kleinsten Gewebeverletzungen und Dehnungsschmerzen führen. Hinzu kommt die fehlende natürliche Befeuchtung, ohne diese Gleitfunktion entsteht bei jeder Berührung zusätzliche mechanische Reibung, und bei fortgeschrittener Atrophie kann sich der Scheideneingang sogar verengen, sodass das Eindringen rein mechanisch erschwert und schmerzhaft wird.
Beim PAP-Abstrich kommt erschwerend hinzu, dass die Ärztin oder der Arzt die Vagina mit einem Spekulum entfalten muss, um den Muttermund einsehen zu können, und mit einer kleinen Bürste Gewebe direkt von der empfindlichen Oberfläche des Gebärmutterhalses entnimmt. Trifft dieses Instrumentarium auf eine dünne, trockene und unelastische Schleimhaut, wird die Untersuchung schnell als starkes Kratzen oder Druckschmerz empfunden, oft verbunden mit leichten Kontaktblutungen, genau das habe ich bei meinem eigenen Abstrich erlebt, bei dem meine Schleimhaut vorab sogar kurzfristig hormonell behandelt werden musste, damit überhaupt ein auswertbares Ergebnis möglich war.
Behandlung bei vaginaler Atrophie: Optionen mit und ohne Hormone
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei vaginaler Atrophie und Scheidentrockenheit, mit und ohne Hormone? (Da ich keine Ärztin bin, beruhen diese Inhalte auf meinem derzeitigen Wissensstand.)
Für die Behandlung von vaginaler Atrophie und Scheidentrockenheit gibt es wirksame hormonfreie und hormonelle Optionen, die sich auch ideal kombinieren lassen. Ohne Hormone geht es vor allem um Symptomlinderung und Pflege, Feuchtigkeitscremes, etwa mit Hyaluronsäure oder Lipiden, pflegen das Gewebe nachhaltig (innerliche Anwendung), während Gleitmittel beim Sex die Reibung sofort nehmen. Milchsäure und Probiotika stabilisieren zudem den sauren pH-Wert.
Für den äußeren Intimbereich, die Vulva, empfiehlt sich eine natürliche Pflege (äußerliche Anwendung). Für mich selbst habe ich eine Creme mit den Hauptinhaltsstoffen Fenchelextrakt, Hyaluronsäure und Vitamin E entwickeln lassen, dadurch ist bei mir der Juckreiz verschwunden.
Mit Hormonen setzt man dagegen an der Ursache an, eine lokale Östrogentherapie, etwa mit Estriol als Creme, Zäpfchen oder Ring, baut die Schleimhaut direkt vor Ort wieder auf (innerliche Anwendung). Da sie extrem niedrig dosiert ist, wirkt sie kaum auf den restlichen Körper. Alternativen sind DHEA-Zäpfchen oder Tabletten mit selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren.
Ergänzend oder als Alternative regen moderne, mechanische Verfahren wie die vaginale Lasertherapie die Kollagenbildung an, bei einer Verengung des Vaginalkanals helfen außerdem Beckenbodentraining und medizinische Dehnungsstäbe.
Du hast selbst lange nach einer Lösung für deine Beschwerden gesucht. Was hat dir geholfen und was sollten Frauen wissen, die gerade ähnliche Symptome erleben?
Ich habe mir erst einmal selbst geholfen und mir anhand der Studienlage eine Fenchel-Intimcreme entwickeln lassen, so ist die Fenchel-Intimcreme von Nourish Care entstanden. Das Thema hat mich intensiv beschäftigt, da ich nach natürlichen Alternativen gesucht habe und nicht ausschließlich auf Hormone setzen wollte.
Am Ende war es die Kombination aus innerer und äußerer Anwendung, die für mich den größten Unterschied gemacht hat. Auch ein Gleitgel hat sich bewährt, gerade beim Geschlechtsverkehr wirkt es sehr gut. Für den inneren Bereich pflege ich mich regelmäßig mit Milchsäure-Zäpfchen und Estriol, um den pH-Wert zu stabilisieren und die Schleimhaut zu unterstützen, für den äußeren Bereich nutze ich meine Fenchel-Intimcreme. Im Alltag habe ich außerdem gemerkt, dass viel Trinken einen enormen Unterschied macht, das ständige, unangenehme Gefühl einer beginnenden Blasenentzündung ist dadurch völlig verschwunden.
Frauen mit ähnlichen Symptomen möchte ich vor allem mitgeben: Ihr seid absolut nicht allein. Es gibt klare Namen und medizinische Erklärungen für das, was ihr spürt. Es lohnt sich, das Thema ganz offen bei der Gynäkologin oder dem Gynäkologen anzusprechen, ich selbst hatte anfangs viele Fragen an meine Frauenärztin. Vaginale Atrophie und Scheidentrockenheit sind hervorragend behandelbar, um mein Krankheitsbild wieder in den Griff zu bekommen, musste ich aber auch einige Produkte für mich selbst ausprobieren.
„Am Ende war es die Kombination aus innerer und äußerer Anwendung, die für mich den größten Unterschied gemacht hat.“
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