Samira (45): Von Arzt zu Arzt und keiner konnte mir helfen
Veröffentlicht von Saskia Scheibel im November 2025
Bei Samira fingen die ersten Symptome schleichend an mit einer unerklärlichen, starken Gewichtszunahme. Dann setzte plötzlich starkes Herzrasen und -klopfen ein sowie starker Schwindel, Schlafstörungen und extreme Regelblutungen. Sie war nicht mehr fähig zu arbeiten und suchte verzweifelt diverse Fachärzte:innen auf, sie landete sogar mehrfach im Krankenhaus. Niemand erwähnte je die Wechseljahre, stattdessen häuften sich Fehldiagnosen und in dem Zusammenhang sinnlos verordnete Medikamente. Als sie weiter versuchte, den Gründen für ihr Leiden auf die Spur zu kommen, wurde sie für depressiv befunden und wenig ernst genommen - bis sie einen ersten Tipp bekam und sich von dem Moment an selbst informierte und ihren eigenen Weg zur Besserung fand. In diesem Interview beschreibt Samira die schwierigsten Monate ihres bisherigen Lebens...
Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass sich in deinem Körper oder deiner Stimmung etwas verändert?
Das war tatsächlich Ende 30, Anfang 40. Ich bin 1,77 groß. Ich habe immer ca. 73 Kilo gewogen - auch nach drei Kindern hatte ich nie Probleme, mein Gewicht zu halten. Dann habe ich angefangen, auf einmal am Bauch zuzunehmen, ohne wirklich etwas extra gegessen zu haben. Ich habe mich immer bewegt, ich habe gearbeitet.
Und meine Regelblutung wurde in dieser Zeit sehr unregelmäßig. Es ging manchmal ein paar Tage, manchmal eine Woche. Und die wurden immer stärker, ich hatte auch starke PMS, wenn auch nicht immer. Das habe ich aber noch komplett mit mir ausgemacht, obwohl ich natürlich darunter gelitten habe.
Ich habe letztlich 20 kg zugenommen und alles versucht, um die Kilos wieder loszuwerden. Mal hat es ein bisschen geklappt, mal nicht, aber im Großen und Ganzen nicht. Irgendwann habe ich mich bei Ärzten vorgestellt deswegen. “Ja, dann müssen Sie weniger essen”, sagte einer nur. Ein Arzt hat mir sogar eine Autoimmunerkrankung der Leber diagnostiziert, deswegen würde ich nicht abnehmen. Ich dachte vier Jahre lang, dass ich diese Krankheit habe, obwohl ich immer gelesen habe, dass ich keine der typischen Symptome hatte, aber die Tabletten hab ich vorsichtshalber genommen, man vertraut ja einem Arzt eigentlich. Das sind die Tabletten, die mir meine Leber wieder in Stand bringen sollten, angeblich waren die Gallenwege entzündet. Ich habe irgendwann meinen Arzt gewechselt, der neue war sofort skeptisch und sagte, ich hätte diese Autoimmunkrankheit nicht.
Aber diese ganz großen Symptome der Perimenopause haben dieses Jahr im Januar angefangen…
Wie hast du diese ersten Symptome interpretiert? Hast du irgendwie an eine hormonelle Umstellung gedacht?
Ich hatte wirklich keine Ahnung. Ich bin immer zur Vorsorgeuntersuchung bei meiner Frauenärztin gegangen. Ich habe ihr auch immer erzählt, wie es mir ging. Das Einzige, was sie mir empfohlen hat, war, dass ich doch die Mirena (Hormonspirale) nehmen soll. Meine Eisenwerte waren durch die starken Blutungen im Keller. Ich musste immer wieder mit Eiseninfusionen nachhelfen, da ich die Tabletten zu dem Zeitpunkt nicht vertragen konnte. Im Sommer konnte ich dann aber auch keine Eiseninfusion mehr nehmen, weil mein Körper plötzlich mit einem Schock reagierte. Die Periode war aber nach wie vor so stark, dass ich weiterhin extrem viel Eisen verloren habe. Ich fühlte mich ein bisschen verloren, aber hatte nach wie vor kein Bauchgefühl, dass das jetzt die Wechseljahre sein könnten. Woher auch? Ich hatte noch nie darüber gelesen.
Der neue Arzt, der die Fehldiagnose feststellte, war deutlich besser, ich musste allerdings auch erstmal sechs Monate warten, um überhaupt einen Termin zu bekommen und dann die Untersuchungen teils sogar privat bezahlen, weil meine Krankenkasse nicht alles übernommen hat.
Welche Symptome kamen noch dazu? Was hat dich davon am meisten belastet?
Das war der 27. Januar 2025. Diesen Tag werde ich nie vergessen! Mir war schon morgens schwindelig und unwohl. Ich habe mich mit Freundinnen getroffen, der Termin stand schon lange fest. Wir waren in der Stadt spazieren, haben Kaffee getrunken und gequatscht, aber mir war die ganze Zeit schwindelig. Irgendwann abends bin ich nach Hause gekommen, habe das Kind abgeholt, für die Kinder gekocht und alles erledigt. Auf einmal spürte ich einen sehr starken Kopfschmerz, den ich bisher nicht kannte. Mein Herz hat angefangen zu rasen. Ich hatte das Gefühl, mein Körper verlässt mich jetzt. Meine damals 18-jährige Tochter hat dann irgendwann den Krankenwagen gerufen, weil sie sich so erschrocken hat. Ich bin kein Mensch, der über Kleinigkeiten klagt, das weiß meine Familie. Ich gehe auch nie mit einer Grippe zum Arzt und versuche mir immer selbst zu helfen. Die Rettungskräfte haben mich mitgenommen, obwohl das CTG unauffällig war. Mein Puls war aber immer noch unter 100. Im Krankenhaus wurden diverse Untersuchungen gemacht, aber sie konnten nichts finden und hatten nur einen Verdacht auf Migräne geäußert und mich mit einer Überweisung zum Neurologen geschickt.
Am meisten belasteten mich das Herzrasen und die Schlaflosigkeit. Die Anfälle von Herzrasen wurden nämlich leider immer häufiger und traten dann auch mitten in der Nacht auf - das hat nicht mehr aufgehört. Ich konnte tagelang überhaupt nicht mehr schlafen und tagsüber war mir ständig schwindelig. Monatelang hielt ich mich nur mit ein bis zwei Stunden Schlaf über Wasser. Appetit hatte ich auch nicht mehr. Meine Periode verkürzte sich auf nur drei Tage, aber an diesen drei Tagen konnte ich nicht aus dem Bett. Ich kam nicht auch mehr mit normalen Binden zurecht, das reichte einfach nicht. Daraufhin bin ich zur Frauenärztin gegangen, weil ich das Gefühl hatte, da kann doch etwas nicht stimmen…
Wie alt warst du zu dem Zeitpunkt?
Ich war gerade 45 geworden. Als ich zur Frauenärztin ging und ihr alles erzählte, entgegnete sie: „Nein, das (die Wechseljahre) kann gar nicht sein. Sie haben ja ganz normale Regelblutungen.“Ich fühlte mich indirekt beschuldigt, warum ich mit so etwas Unwichtigem zu ihr kommen würde. Aber tatsächlich konnte ich meinen Alltag nicht mehr bewältigen. Ich konnte nicht einmal mehr für die Kinder kochen. Mein Mann und ich sind selbstständig und betreiben ein Restaurant. Normalerweise habe ich mich immer um Bestellungen, Unterlagen, Bürokram und Finanzen gekümmert. Von diesem Zeitpunkt an ging gar nichts mehr. Ich war wirklich zu nichts mehr fähig. Ich konnte nicht einmal mein Handy in die Hand nehmen und konnte nur liegen. Ich zitterte ständig und war innerlich total angespannt.
Ich ging dann auch zu der empfohlenen Neurologin, aber die konnte auch nichts feststellen. Das einzige, was bis dahin bei all der Diagnostik im Krankenhaus und den besuchten Ärzten gefunden wurde, war mein niedriger Hb-Wert, das wusste ich aber schon. Hormone wurden nicht überprüft. Als ich mich im selben Krankenhaus erneut vorstellte, weil das mit dem Herzen schlimmer wurde, schickten sie mich mit Antidepressiva nach Hause.
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Am meisten belasteten mich das Herzrasen und die Schlaflosigkeit. Die Anfälle von Herzrasen wurden nämlich leider immer häufiger und traten dann auch mitten in der Nacht auf - das hat nicht mehr aufgehört. Ich konnte tagelang überhaupt nicht mehr schlafen und tagsüber war mir ständig schwindelig. Monatelang hielt ich mich nur mit ein bis zwei Stunden Schlaf über Wasser. Appetit hatte ich auch nicht mehr. Meine Periode verkürzte sich auf nur drei Tage, aber an diesen drei Tagen konnte ich nicht aus dem Bett. Ich kam nicht mehr mit normalen Binden zurecht, das reichte einfach nicht.
Was haben sie gesagt, weshalb du Antidepressiva nehmen solltest?
Ich habe sie gefragt, warum sie mir das geben und welche Diagnose ich habe. Es gab aber keine Diagnose. Zusätzlich drückten sie mir Betablocker für das Herz in die Hand, ohne ein Langzeit-EKG oder weitere Untersuchungen gemacht zu haben. Man ging davon aus, dass meine Beschwerden vor allem psychosomatisch seien, also nicht echt, und ich depressiv wäre. Später sagten sie sagten mir wörtlich: „Wir sind hier keine Psychiatrie. Da müssen Sie woanders Hilfe suchen.“ Als ich irgendwann aus Verzweiflung die verschriebenen Betablocker genommen hatte, die ich eigentlich nicht gebraucht hätte, fing mein Herz daraufhin an, extrem langsam zu schlagen, sodass ich bewusstlos wurde und umgekippt bin. Mein Mann musste mich „einsammeln“ und wieder ins Krankenhaus bringen. Mein Herzschlag lag zu dem Zeitpunkt unter 40. Sie behielten mich unter Beobachtung, fragten mich aber vorwurfsvoll, warum ich die Betablocker überhaupt genommen hätte, wenn ich doch keine Herzprobleme habe.
Das Krankenhauspersonal hat mich dermaßen erniedrigt: Was ich mir dabei denken würde, hierher zu kommen, wo Menschen mit schwerwiegenden Krankheiten um ihr Leben kämpfen. Sie spielten auch auf meine Herkunft an, dass die Frauen aus dem Süden immer übertreiben würden. Ich fragte mich, was sie übersehen hatten, was mir fehlte und warum sie so handelten. Schließlich sollte ich zum Psychiater gehen. Ab diesem Moment wurde ich misstrauisch und dachte: “Das lasse ich jetzt nicht mehr mit mir machen.” Ich hatte aber eigentlich schon da keine Kraft mehr, mich um mich selbst zu kümmern. Mein Glück war, dass ich eine Physiotherapie verschrieben bekam, da mir auch die Gelenke schmerzten und ich nicht wusste, warum. Meine Physiotherapeutin riet mir dringend, keine der Pillen zu nehmen, weil sie nicht glaubt, dass ich die brauchen würde. Sie organisierte mir dennoch über eine verwandte Person, einen Termin beim Psychiater mit eigener Privatklinik. Ich musste den Termin selbst bezahlen, der war nicht günstig, aber ich wollte Klarheit haben. Der Spezialist, der seit 30 Jahren in diesem Bereich tätig ist, sprach drei Stunden mit mir und sagte schließlich: „Es tut mir leid, ich würde gerne an Ihnen Geld verdienen, aber ich kann nicht. Sie sind nicht psychisch krank, Sie sind nur sehr belastet.“ Er empfahl mir, zu einem Psychologen zu gehen, aber ohne medikamentöse Behandlung – alles natürlich auch privat bezahlt.
Die Psychologin hörte mir zu und bestätigte ebenfalls, dass etwas nicht stimme und fragte mich, wie alt ich sei. Auf meine Antwort hin fragte sie direkt, ob ich mal an die Wechseljahre gedacht hätte. Ich bejahte dies und erklärte, dass meine Frauenärztin es verneint hatte. Daraufhin gab sie mir die Adresse einer anderen Privatklinik, die meine komplette Hormonsituation bestimmen und meine Blutwerte bis ins Detail kontrollieren könne. Mein Hausarzt, bei dem ich 20 Jahre in Behandlung war, weigerte sich nämlich auch, umfassende Werte zu bestimmen, weil er der Meinung war, ich brauche das nicht, ich solle einfach eine Kur machen. Ich flehte ihn an, mir ein umfassendes Blutbild zu erstellen, das ich selbst bezahlen würde, aber er lehnte ab. Irgendwann dachte ich, ich müsste vielleicht ins Ausland gehen. Es war mir egal, was es kostet, ich wollte nur wissen, was mit mir los ist.
Jeder konnte sehen, wie schlecht es mir ging. Ich hatte in dieser Zeit stark abgebaut und auch abgenommen. Meine Augenringe reichten bis runter zur Nase.
Hast du deine Werte dann in dieser Privatklinik testen lassen?
Ja, ich ging in die Privatklinik. Was ich dort bezahlt habe, war fast vierstellig, aber in dem Moment war mir alles egal. Ich wollte nur wissen, was los war, ich wollte nicht, dass meine Kinder mich so sehen. Meine Familie hat mich aber immer sehr unterstützt, trotzdem war das nicht ich. Ich wollte leben, ich wollte arbeiten und wieder ich sein.
Die Ärztin in der Privatklinik war sehr nett und hörte mir aufmerksam zu, erwähnte aber auch mit keinem Wort, dass es die Wechseljahre sein könnten. Sie versuchte mir zusätzlich eine „Zellreinigung“ für 1000 EUR zu verkaufen, die ich aber nicht haben wollte. Schließlich war sie bereit, die Untersuchungen durchzuführen. Es wurden ausführlich Hormone und Blutwerte abgenommen: Vitamine, Mineralien – alles, was möglich war. Als die Ergebnisse da waren, war alles klar. Mein Eisen- bzw. Ferritinwert lag unter 10. Vitamin D war mit 12 oder 13 im Mangelbereich. Magnesium und B12 waren ebenfalls minimal. Und ich hatte so gut wie gar kein Progesteron mehr. Dieser Test wurde zwei Tage nach dem angeblichen Eisprung gemacht – ob dieser stattgefunden hat, ist ungewiss, da der Zyklus unregelmäßig war. Mein Progesteronwert lag bei 0,3. Das Östrogen war noch in Ordnung. Daraufhin empfahl sie mir ein Progesteron, was in der Apotheke individuell für mich angemischt wird. Aber das wollte ich nicht mehr. Ich war an einem Punkt angelangt, wo ich keinem Arzt mehr glaubte und alles hinterfragte.
Als ich meine Frauenärztin nach den Ergebnissen der Privatklinik fragte, warum sie nie mein Progesteron getestet hatte, antwortete sie, ich hätte ihr ja nie gesagt, dass sie das testen soll. Woher hatte sie mir allerdings erklärt, eine Blutuntersuchung der Hormone sei nicht sinnvoll, denn die würden sich ja ständig ändern.
Hast du dann versucht, dir selbst Wissen anzueignen?
Ja, mein Mann und ich sind nach Holland gefahren. Dort bin ich etwas zur Ruhe gekommen und beschloss, mich selbst zu informieren. Ich habe Bücher gekauft und gelesen. Bei meinen Recherchen bin ich auch auf menotpause.com gestoßen. Unter anderem habe ich „Woman on Fire“ gelesen. Das war das erste Buch, das ich gelesen habe, und darin habe ich mich total wiedergefunden. Plötzlich wusste ich: Ich bin doch nicht verrückt, und ich bilde mir das alles nicht ein. Ab diesem Zeitpunkt begann ich, mich um mich selbst zu kümmern. Meine Physiotherapeutin hat mich die ganze Zeit beraten, da keine andere Fachkraft dazu bereit war. Ich begann, Eisen-Tabletten zu nehmen und stand extra jeden Morgen um fünf Uhr auf, um genügend Abstand zum Frühstück zu haben. Ich nahm auch Vitamin D und Omega 3. Ich nehme nach wie vor Magnesium und abends Lasea. Das Allerwichtigste: Ich habe meine Ernährung komplett umgestellt. Ich esse keinen Zucker und trinke überhaupt keinen Kaffee mehr, obwohl ich mir kurz zuvor eine 1.500 Euro teure Kaffeemaschine gewünscht und bekommen hatte. Alkohol trinke ich sowieso nicht. Ich achte sehr darauf, was ich esse, und versuche, mich jeden Tag zu bewegen. Erst dann begann ich, Fortschritte zu sehen und mich selbst wiederzuerkennen. Wir sind dann in den Urlaub nach Tirol gefahren und waren jeden Tag draußen wandern. Das tat mir so gut und ich merkte, dass es mir schon deutlich besser geht. Ich arbeite wieder, allerdings immer noch von zu Hause aus und traue mich noch nicht, in unser Restaurant zu gehen. Ich habe zwar angefangen, wieder rauszugehen, aber so wie früher bin ich noch nicht ganz. Als ich zur Nachuntersuchung bei der Neurologin war, sah sie mich an und was ich gemacht hätte, dass es mir so viel besser gehe. Ich antwortete: „Nichts von dem, was Sie mir gesagt haben. Ich brauche keine Antidepressiva. Es sind die Wechseljahre.“ Sie ist eine Frau in meinem Alter…
Selbst die teure Privatärztin, die meine Hormone getestet hat, die Mängel feststellte und mir Progesteron verschrieb, gab mir keinerlei zusammenfassende Erklärung bezüglich der Wechseljahre. Sie sagte nur, dies sei niedrig, das sei in Ordnung und gab mir das Rezept - ich hatte das Gefühl, sie war etwas verärgert, weil ich ihre „Zellreinigungstherapie“ abgelehnt hatte und wollte mich deshalb nicht ausführlich beraten.
Machst du mittlerweile eine Hormonersatztherapie?
Nein, ich nehme bis heute keine Hormone. Ich habe mich dagegen entschieden. Ich habe nie die Pille oder irgendwelche anderen Hormone genommen. Außerdem sehe ich ja, dass es jetzt besser wird, seit ich meinen Lebensstil umgestellt habe und die Nährstoffe aufgefüllt habe. Sinnvolle Tipps hat mir nur die Physiotherapeutin gegeben, eine Frau, die das selbst erlebt hat.
Irgendwann habe ich meine Frauenärztin gewechselt, obwohl es sehr schwer war, bei der gewünschten Ärztin einen Termin zu bekommen. Als ich endlich dran kam, zeigte ihr meine ganze Akte, die dokumentierte, was alles mit mir gemacht wurde. Sie sah mich an und sagte: „Das brauche ich doch gar nicht.“ Sie erklärte: „Wenn Sie von Anfang an zu mir gekommen wären, hätte ich Ihnen nur zugehört und gewusst, was Sie haben. Das ist die Perimenopause, das ist mehr als verständlich.“ Ich fragte: „Aber warum ist es bei mir so heftig?“ Sie erklärte mir, dass ich immer einen kurzen Zyklus von 21 Tagen hatte und nie die Pille genommen habe. Mein Körper und meine Hormone hätten sich durch die häufigen Blutungen nie richtig erholen können. Der Eisenmangel war extrem und zog vieles nach sich. Sie sagte, dass man mir mit diesem Eisenmangel eigentlich eine Bluttransfusion hätte geben müssen. Stattdessen war ich beim Neurologen, Rheumatologen, Kardiologen, Psychiater, Psychologen, der Gynäkologin sowie mehrfach im Krankenhaus. Ich kann gar nicht komplett aufzählen, bei wie vielen Ärzten ich war und wie viele Untersuchungen ich habe über mich ergehen lassen. Beim Kardiologen war ich wegen des anhaltenden Herzrasens - ich fühlte mich ja wie ein rasender Zug. Der machte ein Langzeit-EKG, konnte aber auch nichts finden. Im Krankenhaus überredeten sie mich irgendwann sogar zu einer Lumbalpunktion – sie nahmen Flüssigkeit aus dem Knochenmark. Das war sehr unangenehm. Also ich wurde wirklich von Kopf bis Fuß untersucht: MRTs, CTs, Magenspiegelung, alles wurde gemacht. Zu keinem Zeitpunkt sagte mir irgendeiner der vielen Ärzte, dass es die Wechseljahre sein könnten. Das hat mich am meisten schockiert, besonders natürlich bei der Gynäkologin.
Ich weiß wirklich nicht, wie ich das alles durchgestanden habe. Ich habe überhaupt nicht funktioniert. Ich habe gesehen, wie die Kinder da waren und dass die Dinge neben mir passierten, ohne dass ich teilhaben konnte. Ich hatte sehr oft das Gefühl, ich würde das alles nicht überleben. Das war wirklich schlimm.
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Das Krankenhauspersonal hat mich dermaßen erniedrigt: Was ich mir dabei denken würde, hierher zu kommen, wo Menschen mit schwerwiegenden Krankheiten um ihr Leben kämpfen. Sie spielten auch auf meine Herkunft an, dass die Frauen aus dem Süden immer übertreiben würden. Ich fragte mich, was sie übersehen hatten, was mir fehlte und warum sie so handelten. Schließlich sollte ich zum Psychiater gehen.
Konntest du denn in der Zeit mit jemandem darüber sprechen bzw. dich austauschen zu deinen Symptomen, z.B. mit deiner Mutter oder Freundinnen?
Ich habe meine Mutter darauf angesprochen, warum sie nie etwas gesagt hat. Sie meinte, sie selbst habe kaum Symptome gehabt, nur ein paar Hitzewallungen, die aber erst später auftraten. Als ich wusste, was mit mir los war, habe ich das bei meinen Freundinnen angesprochen. Einige sagten: „Das haben wir auch!“ Aber sie empfanden das Thema immer als Tabu und haben deswegen nie darüber gesprochen.
Überstanden habe ich diese Zeit nur dank der Unterstützung meines Ehemannes. Es ist gut, dass wir schon so lange zusammen sind, denn so eine Krise kann auch eine Beziehung zerstören. Er kümmerte sich um mich wie um ein Baby: kochte, erledigte die Wäsche und begleitete mich sogar beim Duschen, um sicherzustellen, dass ich nicht umkippe. Er musste sich natürlich auch um das Geschäft kümmern, nahm sich aber trotzdem Zeit für gemeinsame Spaziergänge am Rhein, was sehr heilsam war. Wir versuchen nun, das alles hinter uns zu lassen.
Ich spreche jetzt bewusst ganz offen mit jedem über meine Erfahrungen, um andere Frauen aufzuklären und dieses Tabu zu brechen. Ich bedauere es, dass es im 21. Jahrhundert immer noch notwendig ist, sich wegen dieses Themas rechtfertigen zu müssen.
Hat euch diese schwere Zeit als Familie auch finanziell belastet?
Ja, ich schätze die Gesamtkosten für die privaten Untersuchungen und Behandlungen sowie die Labortests bei der Privatärztin auf fast 3.000 € oder sogar mehr. Selbstständige wie wir zahlen den Höchstsatz bei der Krankenkasse. Es war jedoch ein Glück, dass mein Mann und ich selbstständig sind. Für viele Frauen mit normalen Angestelltenjobs wäre diese Belastung nicht tragbar gewesen. Ich konnte zwar in unserem Familienbetrieb nicht arbeiten, aber ein Arbeitgeber, bei dem ich angestellt gewesen wäre, hätte mich bestimmt entlassen.
Wie geht es dir jetzt?
Mir geht es jetzt deutlich besser. Meine Schlafprobleme sind zwar nicht komplett verschwunden, aber nicht mehr mit den früheren, nächtelangen Schlaflosigkeitsphasen vergleichbar. Das war die absolute Hölle und hat alle anderen Symptome verschlimmert. Für den Schlaf nehme ich mittags und abends Magnesiumglycinat sowie abends Lasea. Das hat mir geholfen, wieder besser zu schlafen. Das Herzklopfen und die unruhigen Beine (Restless Legs) habe ich noch, aber es ist nur noch halb so schlimm, weil ich es jetzt einordnen kann. Gegen das Restless-Leg-Syndrom hilft mir auch bewusste Bewegung. Manchmal habe ich auch so ein eigenartiges Kribbeln in der linken Wange bis hin zum Kinn. Auch das konnte der Neurologe nicht diagnostizieren, aber ich vermute, es kommt vom Progesteronmangel.
Das Wichtigste ist, dass ich weiß, dass ich nicht verrückt bin und keine tödliche Krankheit habe. Ich hoffe, dass ich weiterhin ohne Hormone auskomme, bin aber im Falle einer Verschlechterung bereit, sie zu nehmen, um den Alltag bewältigen zu können. Ich habe mich über die langfristigen Risiken der Wechseljahre informiert, mich aber noch nicht auf eine Option festgelegt. Meine Physiotherapeutin erzählte, dass Hormone ihre Knochenschmerzen beseitigt hätten. Ich bin da offen, je nachdem, was noch kommt. Ich fühle mich aber immer noch ein wenig traumatisiert von der ganzen Erfahrung. Ich meide noch immer die Kleidung, die ich in der Zeit der absoluten Krise trug, sowie die Orte, an denen die Ärzte sind, die mich so schlecht behandelt haben. Ich hätte nie geglaubt, dass Ärzte so mit einem Menschenleben spielen könnten.
Was würdest du Frauen raten, die jetzt erste Symptome bekommen?
Meine schlimmen Erfahrungen haben mich letztlich gestärkt, aber es war ein harter Weg. Ich kann wirklich jeder Frau nur raten, sich selbst gründlich zu informieren und keinem Arzt blind zu vertrauen. Man sollte das tun, was einem guttut, und nicht zögern, Hormone einzunehmen, wenn man sie gut verträgt und dies möchte. Oder man findet andere Lösungen, so wie ich, die einem wirklich helfen. Frauen haben es nicht verdient, aufgrund mangelnder Unterstützung durch Ärzte zu leiden!