Cornelia (46) - Mein Versuch positiver auf die Wechseljahre zu blicken
Veröffentlicht von Saskia Scheibel im November 2025
Cornelia (46) arbeitet in einem anspruchsvollen Gesundheitsberuf und steckt gerade mitten in den tiefgreifenden Veränderungen der Wechseljahre. Was passiert, wenn sich das unangenehm, aber vertraute PMS in depressive Stimmungslagen wandelt, die Waage plötzlich 10 Kilo mehr anzeigt und ein begonnenes Studium zu viel wird? In diesem ehrlichen Interview spricht Cornelia offen über die Symptome, die sie lange nicht einordnen konnte, und über den größten seelischen Kampf: die schmerzhafte Erkenntnis des Älterwerdens.
Stell dich doch bitte einmal kurz vor und verrate uns, wann du zum ersten Mal gemerkt hast, dass sich dein Körper verändert.
Ich bin Cornelia, 46 Jahre alt und komme aus dem Schwabenland. Ich arbeite in einem Gesundheitsberuf, den ich sehr mag, der aber auch Schichtarbeit mit sich bringt.
Ich weiß gar nicht ganz genau, wann es anfing, denn ich hatte schon in jüngeren Jahren vermutlich PMS und war es gewohnt, kurz vor der Menstruation emotionaler und gereizter zu sein. Deshalb konnte ich lange nicht einordnen, ob etwas „Neues“ passiert oder ob es einfach mein übliches PMS ist. Erst in diesem Jahr habe ich deutlicher bemerkt, dass sich etwas verändert. Früher war PMS eher ein “Wumms”: ich war geladen und hatte eine kurze Zündschnur. Jetzt zieht es mich eher runter: Traurigkeit, depressive Stimmung, sehr nah am Wasser gebaut und ich kann es viel schlechter kontrollieren. Das hat sich also verändert; nicht nur die Intensität, sondern die Art der Stimmung. Und ich weiß oft nicht mehr, wann meine Periode kommt, fühlt sich an wie in der Pubertät.
Und dann kam das nächtliche Schwitzen. Das hatte ich mehrere Jahre immer wieder, nicht täglich, aber regelmäßig. Ich bin teilweise klitschnass aufgewacht und dachte: „Okay, hallo Wechseljahre.“ Das war lange das einzige Symptom, das ich wirklich damit in Verbindung gebracht habe, auch weil darüber allgemein gesprochen wird und es bei meiner Mutter auch das einzige Thema war. Aktuell ist das Schwitzen wieder weg, aber dafür sind andere Symptome stärker geworden.
Früher war PMS eher ein “Wumms”: ich war geladen und hatte eine kurze Zündschnur. Jetzt zieht es mich eher runter: Traurigkeit, depressive Stimmung, sehr nah am Wasser gebaut und ich kann es viel schlechter kontrollieren.
Welche Symptome kamen noch dazu und hast du sie sofort den Wechseljahren zugeordnet?
Das war einmal die starke Gewichtszunahme: innerhalb von sechs Monaten habe ich ca. 10kg, ohne große Veränderung im Lebensstil, zugenommen. Ich leide außerdem unter Schlafproblemen. Ich schlafe ein, aber wache nachts auf und kann nicht mehr abschalten. Zudem habe ich häufig Konzentrationsprobleme, so einen richtigen Nebel im Kopf. Ich kann Gesprächen schwer folgen und driftete oft ab. Ich habe kürzlich ein Studium begonnen und deshalb wieder abbrechen müssen. Auch die mentale Belastung ist größer geworden. Ich leide unter sehr belastenden Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit. Ich war im Oktober sogar komplett arbeitsunfähig und musste eine Pause einlegen. Mein Arzt hat mich auch sofort krank geschrieben. Er wollte gar nichts genauer wissen, er hat mich nur gesehen und gesagt, ich brauche eine Pause.
Ich habe diese ganzen Symptome nicht direkt den Wechseljahren zugeordnet. Eine Freundin gab mir aber irgendwann ein Buch über die Wechseljahre (ich weiß den Titel gar nicht mehr), aber beim Lesen hatte ich viele Aha-Momente. Ich komme ja selbst aus dem Gesundheitswesen und sollte eigentlich in der Lage sein, Symptome einzuordnen. Trotzdem habe ich es lange nicht verknüpfen können.
Welches der Symptome belastet dich aktuell am meisten und hast du dir dafür Hilfe gesucht?
Ganz klar: die Gewichtszunahme. Ich fühle mich nicht wohl in meinem Körper. Das verstärkt dann wiederum die Stimmungstiefs. Ich war mein Leben lang eher schlank und komme damit nur schwer zurecht.
Hilfe habe ich mir diesbezüglich noch nicht gesucht. Ich weiß auch nicht, wo ich anfangen soll oder wo es passende Unterstützung gibt beim Thema Gewichtszunahme.
Die anfänglichen Symptome, wie das Schwitzen habe ich einfach hingenommen, weil ich dachte: „Das ist jetzt halt so. Was soll ich machen?“. Hormone wollte ich eh nicht nehmen, weil meine Mutter mit 50 an einem hormonabhängigen Mammakarzinom erkrankt ist. Deshalb war für mich klar: Hormontherapie kommt nicht in Frage.
Ich weiß noch, dass ich vor drei Jahren eine OP zur Entfernung von Myomen hatte. Der Arzt schlug vor, gleich „alles rauszumachen“, damit ich “Ruhe habe”, aber es gab kein richtiges Beratungsgespräch dazu - weder zu hormonellen Folgen noch Alternativen. Das hat mich eher verunsichert als mir geholfen. Bei meiner Frauenärztin habe ich es nicht angesprochen, wenn ich zur jährlichen Vorsorge ging.
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Hast du in der Zwischenzeit mit deiner Ärztin darüber gesprochen?
Ja, ich habe jetzt eine neue Frauenärztin, die mich erstmals aktiv gefragt hat, ob ich Wechseljahrsbeschwerden habe. Bis dahin hat das noch nie jemand getan. Ich habe ihr von meinen Beschwerden erzählt, aber auch gesagt, dass für mich Hormontherapie nicht in Frage kommt. Sie hat mir daraufhin empfohlen, Eisen zu nehmen und Mönchspfeffer auszuprobieren. Ich nehme es seit September und merke leichte Verbesserungen, aber es reicht noch nicht aus. Meine Hormonwerte haben wir bisher aber noch nicht gemessen. Ich sollte erstmal gucken, wie weit ich mit dem Mönchspfeffer komme.
Was mich am meisten belastet? Ganz klar: die Gewichtszunahme. Ich fühle mich überhaupt nicht wohl in meinem Körper. Das verstärkt dann wiederum die Stimmungstiefs. Ich war mein Leben lang eher schlank und komme damit nur schwer zurecht.
Hast du irgendwelche alternativen Ansätze erwogen oder deinen Lebensstil versucht zu verändern, seit du die hormonellen Veränderungen spürst?
Bisher nicht, aber Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat mir früher schon sehr geholfen — ich habe nur noch garnicht daran gedacht, dass es auch in den Wechseljahren nützlich sein könnte. Das könnte ich mal versuchen. Auch Heilpraktiker:innen habe ich seit kurzem auf dem Schirm und möchte gern einen Termin machen.
Meine Schlafprobleme versuche ich auch anzugehen. Ich schlafe zwar meistens schnell ein, weil ich müde bin, wache aber nachts auf und kann mental nicht wieder abschalten. Nach meinen Nachtdiensten nehme ich jetzt ein Präparat, das mir beim Einschlafen hilft. Ich nehme einen "Leberkomplex" – seitdem wache ich nicht mehr um 3 Uhr auf, sondern immerhin erst gegen 5 Uhr. Um 5 Uhr denke ich mir dann “Ja, dann ist es halt so…” - das hatte mir eine Kollegin bei einer Fortbildung geraten, es so entspannt zu sehen. Das hilft wirklich, ich bin viel gechillter und manchmal schlafe ich dann sogar wieder ein.
An meinem Lebensstil habe ich noch nicht viel verändert, aber ich spüre, dass ich mehr Ruhe brauche. Ich gönne mir z.B. Mittagsschlaf, wenn es möglich ist. Ich gehe auch wieder mehr spazieren und überlege, mir Unterstützung durch eine Diätassistentin zu holen. Sport habe ich lange vernachlässigt, aber ich starte gerade wieder. Joggen möchte ich wieder aufnehmen und ich habe mit einer Freundin ausgemacht, gemeinsam wieder tanzen zu gehen, das hat mir immer viel Spaß gemacht. Mir ist gerade wichtig, Bewegung zu finden, die mir auch Freude macht.
Wirken sich bei dir die Wechseljahre auch auf deine Arbeit aus?
Ich habe deutlich gemerkt, dass meine Leistungsfähigkeit nachgelassen hat. Ich habe mich, wie gesagt, im Oktober krank schreiben lassen, weil es gar nicht mehr ging. Zwei Wochen Pause haben sehr gut getan. Ich habe erkannt, dass mein zusätzliches Studium gerade zu viel war und mich dagegen entschieden. Seitdem geht es mir deutlich besser. Ich habe mir außerdem einen systemischen Coach gesucht, um mental wieder stabiler zu werden. Mein Schichtdienst macht die Schlafprobleme natürlich nicht leichter, aber den Job zu wechseln ist für mich keine Option, ich liebe meinen Job.
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Kannst du dich mit jemandem über deine Beschwerden austauschen?
Leider mit kaum jemandem. Meine beste Freundin hat keine Beschwerden (sie nimmt noch die Pille, ich denke, das verschiebt es etwas nach hinten). Mein Partner weiß Bescheid, ist verständnisvoll, aber kann es natürlich nicht nachempfinden. Er sagt, ihn stört das mit dem Gewicht nicht, was schon mal gut ist, aber so richtig hilft es auch nicht.
Mir fehlt jemand vor Ort, der dasselbe erlebt. Ich wünschte, es gäbe hier sowas wie Stammtische, bei denen Frauen sich austauschen könnten.
Ich informiere mich sehr viel online—da bin ich sehr dankbar, eure Seite gefunden zu haben.
Das war für mich mit das Schlimmste; dieses “Oh, jetzt ist es soweit, ich werde alt.” Das hat mich total fertig gemacht, damit muss ich irgendwie besser klarkommen. Meine Tochter ist gerade in der Pubertät und ich sehe bei ihr, wie alles losgeht und bei mir geht es bergab. Das ist hart.
Was sind deine nächsten Schritte auf deinem Weg durch die Wechseljahre?
Ich hatte ja bisher nur einen Termin bei meiner neuen Gynäkologin. Ich brauche natürlich weitere Termine, denn ich möchte auf jeden Fall einen Hormonstatus bestimmen lassen und ich möchte wissen, was ich tun kann, ohne dass ich mein Risiko für ein Mammakarzinom erhöhe.
Das Thema Sport möchte ich unbedingt angehen und ich muss mich dringend mental stärken. Das war für mich mit das Schlimmste; dieses “Oh, jetzt ist es soweit, ich werde alt.” Das hat mich total fertig gemacht, damit muss ich irgendwie besser klarkommen. Meine Tochter ist gerade in der Pubertät und ich sehe bei ihr, wie alles losgeht und bei mir geht es bergab. Das ist hart. Es ist gar nicht die schwindende Fruchtbarkeit, der ich nachtrauere, denn ich habe mir damals bei der OP die Eileiter durchtrennen lassen. Es ist wirklich diese Tatsache, dass mein Körper mir zeigen will, dass ich alt werde. Ich muss da irgendwie lernen, positiver ranzugehen. Ich war letztens auf der Seite von Ildikó von Kürthy und habe gesehen, wie sie das mit Humor nimmt. Ich wünschte, ich könnte das auch so sehen. Ich muss mir das erstmal bewusst machen, dass das nicht das Ende ist, sondern man nochmal richtig Gas geben kann.
Was würdest du anderen Frauen raten, die gerade in die erste Phase der hormonellen Umstellung eintreten?
Ich würde anderen Frauen definitiv raten, entspannter auf die Wechseljahre zuzugehen. Ich würde natürlich auch jeder Frau empfehlen, sich frühzeitig zu informieren, was man tun kann und was man vielleicht tun sollte. Ganz wichtig finde ich, dass man sich nicht versteckt, sondern aktiv das Gespräch sucht mit anderen und versucht, weniger Angst und Scheu zu haben. Ich hatte zum Beispiel irre Angst davor, wie die Sexualität sich in den Wechseljahren verändern könnte, aber ich habe gemerkt, dass das überhaupt nicht der Fall ist bei mir. Also geht offen ran, kann ich nur jeder Frau raten, lasst euch nicht verrückt machen!