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Wenn die Schilddrüse leise mitentscheidet: Warum sie in den Wechseljahren so wichtig ist

Veröffentlicht von Saskia Appelhoff im Februar 2026 in Ernährung & Supplementierung, Allgemeines Wissen

Artikelbild Wenn die Schilddrüse leise mitentscheidet: Warum sie in den Wechseljahren so wichtig ist
Müdigkeit, Stimmungstiefs, schlechter Schlaf, Gewichtszunahme, Konzentrationsprobleme – viele Frauen erleben ab Mitte 40 eine Phase, in der sich der eigene Körper fremd anfühlt. Schnell heißt es dann: „Das sind die Wechseljahre.“ Doch diese Erklärung greift oft zu kurz. Denn inmitten der hormonellen Umstellung spielt ein kleines Organ eine überraschend große Rolle – die Schilddrüse. Sie arbeitet still im Hintergrund, steuert aber Tempo, Energie und Stoffwechsel im ganzen Körper. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann das Beschwerden auslösen, die leicht missverstanden oder anderen Ursachen zugeschrieben werden. Gerade in den Wechseljahren lohnt sich deshalb ein genauerer Blick. Für diesen Beitrag haben wir mit der Heilpraktikerin und auf Schilddrüsengesundheit spezialisierten Therapeutin Sabrina Friese gesprochen, die seit vielen Jahren Menschen mit hormonellen Dysbalancen und Schilddrüsenbeschwerden begleitet.

Das kleine Organ mit großer Wirkung

Die Schilddrüse ist ein Taktgeber. Ihre Hormone beeinflussen, wie schnell unser Stoffwechsel arbeitet, wie leistungsfähig wir uns fühlen, wie stabil unsere Stimmung ist – sogar, wie gut wir denken und schlafen können. Entsprechend breit ist das Beschwerdebild, wenn sie nicht optimal funktioniert.

Typische Anzeichen einer Unterfunktions-Tendenz können sein: anhaltende Erschöpfung, Kältegefühl, Gewichtszunahme, Verstopfung, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, Zyklusveränderungen und Libidoverlust. Das kommt 5 mal häufiger vor als eine Überfunktion. Dabei verspührt man dagegen eher innere Unruhe, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Zittern und ungewollter Gewichtsverlust.

Sabrina Friese beschreibt, wie unspezifisch sich das oft anfühlt: „Viele Patientinnen sagen: Ich bin gar nicht richtig bei mir – wie in Watte gepackt, wie auf einer Wolke.“

Das Tückische: Viele dieser Symptome überschneiden sich mit klassischen Wechseljahresbeschwerden. Die Schilddrüse rutscht deshalb diagnostisch leicht durch.

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Hormonelles Teamwork statt Einzeldrama

Ein zentraler Punkt, der häufig unterschätzt wird: Hormone arbeiten nicht getrennt voneinander. Sie stehen in ständiger Wechselwirkung. Wenn sich in den Wechseljahren Östrogen und Progesteron verändern – erst schwankend, dann sinkend – betrifft das nicht nur die Fruchtbarkeit oder den Zyklus, sondern das gesamte Hormonsystem.Die Schilddrüse ist Teil dieses Netzwerks.

Verändern sich die Geschlechtshormone, kann das die Schilddrüsenhormon-Produktion und -Umwandlung mit beeinflussen. Gleichzeitig stellt die hormonelle Umbruchphase selbst eine Belastung für den Körper dar. Steigt das Stressniveau, erhöht sich oft auch Cortisol – und ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann hormonelle Syntheseprozesse zusätzlich bremsen.

Das Ergebnis: Beschwerden verstärken sich, überlagern sich – und lassen sich schwer zuordnen.

⁠Friese formuliert es so: „Die Hormone sind ständig in Wechselwirkung. Wenn eine Achse kippt, reagieren die anderen mit.“

Warum gerade jetzt Probleme sichtbar werden

Viele Frauen kommen erst in der Perimenopause erstmals mit dem Thema Schilddrüse in Berührung. Nicht unbedingt, weil die Störung neu entstanden ist – sondern weil der Körper weniger gut kompensieren kann. Über Jahre können leichte Dysbalancen, Nährstoffmängel oder chronischer Stress ausgeglichen werden. In der hormonellen Umstellungsphase gelingt das oft nicht mehr so stabil. Was vorher „gerade noch ging“, kippt spürbar. Autoimmune Prozesse können in Gang gesetzt werden- wie bespw. Hashimoto Thyreoiditis, welches Frauen 9 mal häufiger betrifft als Männer.

Hinzu kommt: Bestimmte Nährstoffe sind für die Schilddrüsenfunktion entscheidend – vor allem Eisen, Jod und Selen. Gerade Eisenmangel ist bei Frauen häufig, besonders bei langen oder starken Blutungen vor den Wechseljahren. Fehlen diese Bausteine, leidet die Hormonproduktion – selbst wenn die Schilddrüse strukturell gesund ist.

Nicht nur Blutwerte zählen

In der Praxis zeigt sich: Eine alleinige Betrachtung einzelner Laborwerte reicht nicht immer aus. Zwar sind Blutuntersuchungen wichtig – etwa TSH und freie Schilddrüsenhormone – doch sie erzählen nicht die ganze Geschichte.

Ergänzend sinnvoll kann sein:

  • eine qualifizierte Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse

  • die Bestimmung von Autoantikörpern

  • ein Blick auf relevante Nährstoffwerte

  • bei Bedarf die Einordnung anderer Hormonachsen (z. B. Stresshormone)

Denn hinter ähnlichen Beschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen stehen: Entzündungen, Autoimmunprozesse, Knoten, Umwandlungsstörungen oder schlichte Versorgungslücken.

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Ganzheitlich denken: Leber, Darm, Stressachse

Was ebenfalls oft vergessen wird: Schilddrüsenhormone wirken nicht isoliert. Leber und Darm sind maßgeblich an Hormonverarbeitung und -regulation beteiligt. Auch die Nebennieren – unsere Stressorgane – spielen hinein. Dauerstress kann hormonelle Regelkreise stören und Symptome verstärken. Deshalb setzen ganzheitliche Ansätze häufig nicht nur an der Schilddrüse selbst an, sondern beziehen auch Stressregulation, Nährstoffstatus und Stoffwechselorgane mit ein.

Ein verbreiteter Irrtum betrifft die Behandlung: „Viele kommen zu mir und sagen, sie müssen ihr Leben lang Medikamente nehmen. Meine Erfahrung ist: Wenn man die Ursache mit berücksichtigt, kann man Präparate oft niedriger dosieren – manchmal sogar weglassen.“

Die wichtigste Botschaft für die Wechseljahre

Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase – aber kein Freifahrtschein für dauerhaftes Unwohlsein. Anhaltende Erschöpfung, mentale Nebelzustände, starke Stimmungseinbrüche oder ausgeprägte Stoffwechselveränderungen sollten nicht vorschnell als „normal“ abgetan werden.

Oder wie Sabrina Friese es klar formuliert:
„Frauen dürfen auf sich hören und auf sich vertrauen. Nicht alles, was als Wechseljahre bezeichnet wird, muss man einfach aushalten.“

Die Schilddrüse ist klein – aber sie mischt kräftig mit.
Wer Beschwerden ernst nimmt und differenziert hinschaut, findet oft mehr als nur „die Wechseljahre“ als Erklärung. Und genau darin liegt die Chance auf gezielte Unterstützung und echte Verbesserung.

Über Sabrina Friese

Sabrina Friese ist Heilpraktikerin und spezialisiert auf Schilddrüsengesundheit sowie hormonelle Dysbalancen. Nach ihrem Hintergrund in Sozialpädagogik und Rehabilitation arbeitet sie heute mit einem ganzheitlichen Ansatz an der Schnittstelle von Hormonsystem, Nährstoffstatus und Stoffwechsel. Sie war mehrere Jahre in einer spezialisierten Schilddrüsenpraxis tätig und führt inzwischen eine eigene Praxis, in der sie Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsen- und Hormonbeschwerden begleitet.

www.friese.life